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Stories & Gedichte

Kleine Stories. Kurze Sätze. Maximale Wirkung. Darum geht es hier. Wir beginnen mit den alten Sachen.

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Altern, heh?

Der jährliche Rentenbrief flattert rein, begleitet von der Aussicht auf Inflation, die mich umarmt wie eine träge Melodie. Wäre die Geldentwertung nicht, hätte ich wohl eine bequeme Nische im Übermorgen gefunden. Keine großen Kapriolen, logisch.

Doch was ich neuerdings an mir selber erkenne, beruhigt mich andererseits wieder: Es bedarf nicht mehr viel. Ein Schuss Milch ins morgendliche Müsli bedeutet zuverlässig den Weg zurück ins Bett. Abends ein Glas Wein, das aus mir einen komatösen Schnarcher macht. Trinke ich zu spät einen Fingerhut Wasser, laufe ich durch die Nacht, immer auf der Suche nach einem Lokus, als hätte ich einen Tank alkoholfreies Bier inhaliert.

Selbst die Katze kotzt morgens die Hälfte ihres Futtern auf den fleckigen Teppich im Flur. Da lassen sich über neun Leben gerechnet sicher noch ein paar Mäuse sparen. Der Teppich hat mittlerweile eine Menge Flecken, manche von ihnen sehen wirklich vielversprechend aus. Besonders der eine, neben der Stehlampe. Noch zwei, drei schief gegangene Portionen zum Frühstück und er sieht aus wie Elvis. Oder Jesus. Heini von nebenan hat letzte Woche ein Spiegelei auf dem Flohmarkt im Park verkauft, das genau so groß war wie eine Vinylplatte. Diese Inflation lässt jeden Unsinn zur Wertanlage werden. Zumindest für jene, die noch was zu verlieren haben. Denke ich so bei mir und stelle der Katze noch eine Schüssel zermatschtes Hähnchen in den Flur.

Und im Osten schießen sie aufeinander. Es sind die kleinen Rituale, die den Rentenbrief erträglich machen.

Autor: Hulot ·

Ich hoffe

Mit einem Strick um den Hals
Der Spitze eines Dolches
Auf meiner Brust
Inmitten von Flammen
Am dunkelsten Pol
Im kältesten Eis
Kopf nach unten hängend
umringt von Wölfen und Gewürm
Ein Bein im Lava
Ein Bein in Pflicht
Immer.

Unter der Last aller Gebirge
Spüre ich Angst
Und Einsamkeit
als wäre es mein, unser aller
Leben.

Ein Stein ohne Kraft
Ein Gewicht unbeweglich
Alle Götter gegen uns
Alle Fluten über uns
Aber eben: uns.

Und wenn eines Tages
Die Sonne stirbt
Und nichts an ihre Stelle tritt
Ein leeres blindes Loch
Im Universum
Stehen wir
Hier
Mit Einem Whiskey
Und glänzendem Grinsen im Gesicht.

Irgendwo spielt
Ein Banjo und wir erfinden
Gemeinsam das
Wort Das am Ende steht
Für das Gefühl
Wenn man nachts
Wach wird und
Im Mund 1000 Küsse und
Vanillepudding schmeckt
Während der Tod auf
Der Schwelle steht
Ohne dass ihm
Jemand die Hand
Hält.

Kein Schwert wird sein noch
Stern
Kein Licht
noch Sorge.

Nur zwei Gläser und unser Kichern und...

Autor: Hulot ·

Das Interview

...und als der Reporter der lokalen Tageszeitung ihm, dem weltweit bekannten Schauspieler, dessen Ruhm sich vor Jahrzehnten schon über Nacht wie eine Lawine durch das Land gewalzt hatte, alle Zweifler unter sich begrub und nichts als Erstaunen bei denen hinterließ, denen Schauspieler nicht bedeuteten, die Frage nach seiner schwersten Rolle stellte, um ihn zugänglicher, menschlicher, naturgemäßer porträtieren zu können, lehnte sich der Schauspieler zurück, blickte versonnen durch den Reporter hindurch, durch die Wände seines Studios, durch die ganze Stadt und die sie einkerkernden Felsen, bis in jene Ferne, an der sich Vergangenheit und Zukunft treffen, um Hoffnungslosigkeit zu werden.

Er dachte an die Zeit, in der er vor zwei Dutzend Menschen in modrigen Kellertheatern sperrige Stücke untergegangener Schreiber aufführte, allein, natürlich, denn jene, die diese Stücke schrieben, waren auch allein, natürlich, und so schrieben sie über das, was sie kannten, und er, der Schauspieler, den damals niemand kannte, spielte sich selbst, also eine Figur, die selbst er nicht kannte. Er sagte ihre Sätze auf, als ihr Werkzeug, als ihre Stimme, als ihr Gerippe, als sprechendes, schwitzendes, blutendes Fleisch, redete er über Einsamkeit und Wahnsinn fremder untergehender Menschen, bis er nicht mehr einsam war vor den zwei Dutzend Zuschauern. Die Schreiber waren anfangs noch im Publikum, leise auf Zuspruch, auf Blicke, auf Wahrnehmung und damit Rettung hoffend, doch ihr Untergang war immer schon beschlossene Sache, wie es das für jeden ist, der seiner Seele Schmerz und Auslauf gestattet, auf das jemand aus der Welt das letzte spinnenfeine Seil greift, um sie ans Ufer zurück zu ziehen.

Im Moment des Schreibens, das heißt als sie beschlossen, Wort zu werden, haben sie den Kreis der Menschen zugunsten falscher Unsterblichkeit verlassen, wo nur die überleben, denen es gegeben ist, im Luftschwall des Applauses, der eigentlich den Schauspielern zugedacht ist, atmen zu können. Er, der Schauspieler, hat während der Aufführungen immer zu ihnen, den Schreibern, geschaut, die wiederum von seinen, des Schauspielers, Blicken nichts mitbekamen, weil sie, die Schreiber, zu sehr damit beschäftigt waren, ihm, dem Publikum, die erhofften Reaktionen abzuringen, die er, der Schauspieler, ihm, dem Publikum, einzugeben hatte.

Doch weder das Publikum, ganz gleich, wie groß es war, wie spät es war, wie gelangweilt oder unterhalten es war, noch der Schauspieler, ganz gleich wie vital er war, wie textsicher oder künstlerisch ambitioniert er war, erfüllten die Sehnsucht der Schreiber. Im muffigen Dunst jener hoffnungslosen Hinterzimmer, die den modrigen Kellertheatern als Garderobe dienten, standen sich Trost auf der einen und der Wille zum Selbstmord auf der anderen Seite gegenüber. Meist war das, nach der „schonungslosen Ignoranz des Publikums“ (der Schreiber), der zweite Moment unverhandelbarer Aufrichtigkeit, den diese Abende herausforderten, ja regelrecht erpressten. Ganz gleich, wie lang ein Abend war, immer forderte er diese Zugabe ein.

Er, der Schauspieler, musste ihnen, den Schreibern, zustimmen: Natürlich habe das Publikum naturgemäß den schlechtesten Geschmack, sonst wäre es auf fremde Stücke nicht angewiesen, sondern würde seine eigenen schreiben, eigenhändig, eigenherzig, bis zum Ende, an der (immer!) die Erkenntnis steht, dass man das Leben vor dem Tod nicht beweisen, nur verschwenden kann. Ohne Zweifel habe er, der Schauspieler, das innere, große, wahrhafte, bis dahin noch nie in der Welt gewesene Streben des Schreibers erkannt, ach was heißt „erkannt“ - erfühlt und damit wie dieser auch erlebt und erlitten! Und auch wenn seine Kunst, die des Schauspiels, immer unwahr, immer ein Vor-Spielen, ein Nachstellen, ein Nach-Leben, absolut un-eigen-tIiches, etwas Fremdes, damit also im Grunde nur eine Lüge sei, habe er, der Schauspieler, doch immer auch den inneren Faden hin zu ihm, dem Schreiber, gesponnen und geknüpft, auf das sein Leid ihr gemeinsames Leid werde.

Da ihm, dem Schauspieler, dieser allabendliche Verrat jedoch peinlich war, log er den Reporter an, als er „Hamlet“ antwortete, was sich dieser fast schon gedacht hatte, diensteifrig notierte und als Wahrheit in die Leben seiner Leser gebar.

Autor: Hulot ·

Orange Times

Die drei buddhistischen Mönche legten sich mächtig ins Zeug. Offenbar stritten sie sich über den richtigen Weg und beschallten damit den ganzen Rathausvorplatz. Verstanden hat hier keiner was, aber die Show hatte es in sich.

Manchmal sah es so aus, als würden sie gleich in den Ring steigen, um es mit der ganzen Welt oder wenigstens den beiden anderen Spinnern aufzunehmen. Einer besaß Reichweite, der zweite Beinarbeit vom anderen Stern und das Gesicht des Dritten hatte schon mehr Fäuste als Küsse gesehen. Aber sie hatten sich im Griff, blieben bei fuchtelnden Armen und stampfenden Sandalen. Wild gestikulierend hielten sie sich gegenseitig ihre Smartphones vor das Gesicht. Irgendwann ging ihnen die Puste aus. Jeder dackelte in eine andere Richtung.

Von meiner Bank aus beobachtete ich das Treiben der zänkischen Apfelsinen. Dass diese Mönche überhaupt Eigentum besaßen, irritierte mich. Genau so wie die Frage, wo sie eigentlich hinwollten.

Andererseits: Wenn diese Jungs schon nicht wissen, welches der rechte Weg ist, sollte ich mir keine Gedanken darüber machen, was das alles soll und wo das mit dieser Welt noch so hinführt.

Und so bestellte ich mir in der Kantine das Jägerschnitzel und den Milchreis. Das Leben ist einfach, kurz und voller Geheimnisse.

Autor: Hulot ·

A.O.K.

Ein Jahr später erschien das Album Baguette Attack, eine musikalische Steigerung erfolgte nicht. Die Band trennte sich von ihrem Schlagzeuger Frank Steinert. Die offizielle Begründung lautete, dass er heimlich geprobt habe.

Sternstunden des künstlerischen Selbstverständnis, gefunden auf Wikipedia.

Autor: Hulot ·

Reudnitz

Unter der S-Bahn-Brücke: Bomberjacke (Kunstleder, zerbröselnd), Jogginghose, Sportschuhe, dünnes Haar, fransiger Oberlippenbart, Hund, verlorene Ideale. Seinem Gesicht fehlen mindestens 40 glückliche Jahre, seinem Mund mindestens vier bis sieben Zähne. Der Blick ist voll von leerem Misstrauen. Kein Lächeln. Abgang zur Seite.

Autor: Hulot ·

Steckenbleiben

„Wissen sie, lieber Herr Kischka, ich verstehe das gut“, redete ihm Bronislaw in seinem breiten Böhmisch aus Speck und Sägemehl zu. „Wenn sie sich möchten selbst sagen, das sie kein schlechter Mensch sind, nicht der Dümmste oder gar ein Halunke, wissen sie, dass das nicht will klappen. Denn das tun sie sich ja selbst sagen. Ist, als ob man sich selbst kitzeln möchte. Klappt nie. Also ist das Reden zu sich selbst wie trösten, also eigentlich wie lügen, damit man möchte aufhören mit all dem Gram. Bringt ja nix.“

Kischka war nun genau so klug wie zuvor. Noch immer am Boden zerstört blickte er seinen Bureaugehilfen an, um das göttliche Schimmern einfältiger Weisheit zu entdecken, welche man Narren und Kindern nachsagt. Aber da war kein kluger Funke in der Dunkelheit, nur das schwitzende Gesicht des schläfrigen Bronislaw.

„Bringt ja nix… Da hast du leicht reden, mein lieber Bronislaw. Die Welt ist dir leicht und mich presst sie zu Boden wie kalter Fels. Du sitzt daheim bei Brot, Bier und Bockwurst, während mich die Dämonen des Tages jagen, fressen und wieder ausspeien, damit sie ja noch etwas für morgen haben.“

„Was macht es, wenn ich sage, dass sie recht geworden sind? Kein Tölpel wie der Bureauvorsteher Hawlitschka und auch kein Kretin wie der Herr von Lützenputz? Wenn sie nicht möchten sich selber glauben, was kann ein Bronislaw da reden? Wenn sie sich nur wollten als möglich denken, dass diese bösen Gedanken alles bloß Lügen sind, die sie sich selbst denken, um…um…ach, wer mag’s wissen, warum!“

„Gute Nacht, lieber Bronislaw.“

„Is‘ Recht. Herr Kischka?“

„Mmh?“

„Können wir ab morgen wieder die Treppe nehmen? Es möchte sehr unkommod sein, im Paternoster zu nächtigen. Das Neumodsche braucht ja alsbald noch kein niemand!“

Ob er seinem Gehilfen noch geantwortet hat, hätte Kischka nicht beschwören können. Vielleicht war an diesem Tag nur noch ein Seufzer übrig.

Autor: Hulot ·

Magdeburg

Ich verspüre einen Drang:
Rache.

Sie soll alles verbrennen
den Täter und jeden der
so ist wie er
so aussieht wie er
so hergekommen ist wie er
seine Suren und Verse frisst
seinen Weg geht
seine Gedanken denkt
seinen Hass teilt
seine Tat zu seiner eigenen machen will.

An mir reißt es
jeder Gedanken macht mich mehr
zu ihm
würde auch andere Taten billigen
will meinen Hass teilen
muss meinen Weg gehen
darf meine Herkunft über seine stellen
Erbärmliche Scheißhausfliege
die ich bin
zusammen mit jenen
die so aussehen wie ich
die so sind wie ich
wir
die von allen Göttern
Verlassenen.

Nichts würde
besser.
Also bleiben wir auf dem dampfenden
Haufen sitzen und
trauern.
Morgen müssen
wir wieder
klug sein.
Denn unsere
Zerbrechlichkeit
bleibt.

Autor: Hulot ·

Hab vergessen, wofür „Frohes Neues Jahr“ steht

Täter, Opfer
Seite, Schmarotzer
Clique, Hinterhalt
drohen.

Märtyrer, Gewalt
Drohung, Feind
Häme, Idee
vereint.

Spaltung, Führer
Anhänger, Mitläufer
Terror, Folgen
folgen.

Streit, Wahrheit
Taktik, Kritik
Heimat, Hetze
fanatisch.

Unterwanderung, Maulkorb
Korrektheit, Mainstream
Wut, Mut
massiv.

Widerstand, Regime
Tabu, Verbot
Recht, Gesetz
zerstören.

Gleichschaltung, Vernichtung
Alternative, Alternativlosigkeit
Brandstifter, Urteil
sogenannt.

Unmut, Populismus
Geschmeiß, Volk
Boden, Heimat
zersetzen.

Macht, Lumpenpack
Mehrheit, Minderheit
Nation, Kultur
infiltrieren.

Aggression, Verteidigung
Unterdrückung, Freiheit
Strenge, Regeln,
entlarven.

Zusammenrottung, Haufen
Gott, Herr
Werte, Herrschende
wir.

Staatsfeind, Volksfeind
Feindmedien, Feindbild
Verhältnisse, Maßnahmen
man.

Teufel, Ausplünderung
Politikwanze, Gutmensch
Bewegung, Krawallmacher
die.

Mission, Radikale
Attacke, Mitkämpfer
Verteidigung, Sicherheit
extrem.

Gegenmaßnahmen, Truppe
Machenschaften, Anstand
Grenze, False-Flag
entschlossen.

Bewegung, Streit
Verblendung, Verdummung
Verteufelung, Gemäßigte
scheinheilig.

Büttel, Bedrohung
Etablierte, Verräter
Hass, Vasallen
fremd.

Patriot, Untertan
Verrohung, Untergrund
Strategie, Hölle
eigen.

Diktatur, Obere
Untere, Militanz
Chaos, Deutschland
like.

Autor: Hulot ·

Oh mein Gott, Ronny!

Strahlende Dunkelheit. Ich starre in die Mitternacht. Quer über den Hinterhof springen Schreie zu mir herüber und landen auf dem Balkon. Die letzte Krähe des Tages (oder war es ein Rabe?) landet auf dem Komposthaufen gegenüber, den ein Nachbar aus alten Latten selbst zusammengenagelt hat.

– Was wird morgen sein? fragt mich der Vogel.

Keine Ahnung, antworte ich ihm, schulterzuckendleise, denn die Nachbarn schlafen schon, woher sollte ich es auch wissen?

– Aber Du musst es wissen, alles musst Du wissen, es ist deine Aufgabe, alles zu wissen, zu kontrollieren, Herrscher der Welt, Richter aller Menschen, Retter unserer Zeit. Deine Hand greift und steuert, was dein Verstand ersinnt und schafft. Also wat is nu?

Der Komposthaufen ist, nebenbei bemerkt, als solches Schrott. Man kann Pflanzenreste nur von oben auflegen, aber keine Erde von unten herausnehmen. Die Katzen des Hinterhofs nutzen ihn dank- aber nur scheinbar als Lokus. Eigentlich ist es ihr social network. Das weiß der Nachbar aber nicht, weshalb er wichtige Informationen überschreibt, wenn er heimlich seinen Pisspott über dem Haufen ausgießt. Seine einfache Rechnung: Hobbykeller. Alkoholiker. Wohnung im Dachgeschoss. Der Rest ist die Physik der Bequemlichkeit. Und oben drauf thront feixend nun ein nachtschwarzer Vogel, der mich in ein Gespräch verwickeln will. So Tage halt.

Bevor ich der Krähe (oder dem Raben?) ein weiteres Mal versichern kann, dass ich nichts über nichts weiß, gesellt sich ein Fuchs zu uns. Er stellt sich als „Reginald Plantachinett der Dritte“ vor, schwingt sein dreifaches Räuspern wie ein Dirigent einen Taktstock, blickt, die Spannung ins Unendliche steigernd, zu mir, grüßend nickend auf den Kompost, wieder zu mir und fragt:

– Gute Frage. Aber: Was war gestern? Was gab es da?

Das ist leicht! „Keinen Grund, über heute nachzudenken und schon gar nicht über morgen!“ will ich auflösen, als die Schreie in gurrende Lust und dem Quietschen eines eskalierenden Bettgestells abschmelzen. Reginald wendet kurz seinen Blick ab. Fast sieht es so aus, als verdrehe er die Augen über das schlechte Timing, mit dem sich die Menschen aneinander vergehen, während er eine bereits zum Tode verurteilte philosophische Diskussion auf ein neues Niveau heben will.

– Nun?

Füchse können einem ziemlich garstig bis in die Seele schauen, stelle ich fest. Vielleicht ist es auch nur dieser eine, aber er hat es wirklich drauf. Blöderweise habe ich nun aber vergessen, was mir vor einem Augenblick brillant erschien. Aus meinem Mund klingt es wie „Örmmäh“, also im Wesentlichen ganz genau so wie der Versuch, einen schweren Schrank über morsches Parkett zu schieben.

– Ich glaube, er ist ein bisschen dumm. Was denken Sie, Reggie?

– Ich kann sie übrigens hören! rufe ich den beiden zu.

– Halt die Fresse, ich muss um Dreie auf Schicht! ermahnt es von einer fernen Ecke des Hofes.

Der Fuchs zieht verächtlich eine Braue nach oben und empfiehlt sich. Der Vogel lacht mich mitleidig aus, hebt ab, und wird ebenfalls ganz und gar Finsternis.

– Vielleicht geht es darum, dankbar zu sein? brummt der Kühlschrank, als ich wieder reinkomme.

Der Hof ist nun still, nachdem eine Frau ihren Gott, oh mein Gott, oh mein Gott, Ronny! dazu gebracht hat, nicht aufzuhören, bis sie soweit war, von selbst aufhören zu wollen.

– Dankbar? Wofür?

– Nicht wissen zu können, was kommt? Ich will mir gar nicht ausmalen, was das bedeutet. Man würde ja nie etwas beginnen. Denn wenn man weiß, dass etwas gelingt, könnte man sogleich damit aufhören, denn es steht schon als getan fest.

– Die Leute würden sowieso nur nach den Lottozahlen schauen. Oder Bundesliga.

– Oh ja. Bundesliga. Nach was würden Sie denn schauen?

– Danach, wie dieser Text ausgeht.

– Hm. Das wäre in der Tat spannend zu wissen. Aber was weiß ich schon?

Für einen Kühlschrank ist er manchmal schon recht clever. Aber das sage ich ihm lieber erst einmal noch nicht. Wer weiß, was morgen dann mit ihm wäre.

Autor: Hulot ·

Abgang

Chet Baker lag auf deinem Bauch, sang und trompetete, ganz weich, ganz zart, ohne Eile, aus meinem Telefon heraus. Die Maschinen um uns herum pfiffen und kreischten wie panische Börsenmakler am Schwarzen Freitag. Doch sie hatten keine Chance gegen den zahnlosen Engel. Er schlug sie alle.

Irgendwann kam ein Pfleger rein. Mit wenigen Handgriffen stellte er den Lärm ab. Das war sein Instrument und er wusste es zu spielen. Was blieb, waren letzte Atemzüge zu einem langgezogenen Solo. Als die Maschinen mit ihrem Konzert durch waren, bewegte sich Chet nur noch wenig. Bis er ganz still stand.

Morphium. Jazz. Frieden.
There will never be another you.
Vorhang.

Autor: Hulot ·

Leistungsgesellschaft

Zwei alte Frauen schimpfen auf dem Friedhof über eine Dritte. Irgendeine Brigitte hat irgendeine Renate über irgendeine Christa belogen. Wie damals der alte Hans gestorben ist, habe sie, Christa, sich um ihn gekümmert. Besucht. Morphium gegeben. Mit der Pflegekasse gestritten. Als Hans auf die Zielgerade einschwenkte, saß sie bei ihm am Bett und hielt seine Hand. Brigitte hingegen stand am Kopfende und hatte wohl wenig Lust auf diesen Termin. War wohl nix für ihre zarten Nerven.

— ...und dann erzählt die doch der Renate, dass sie am Bett gesessen habe!

— Nein!

— Doch! Und die Hand vom Hans gehalten hat!

— Das ist frech!

— Am allerschlimmsten war aber, dass sie gesagt hat, dass ich am Kopfende gestanden habe. Das muss du dir Mal vorstellen! Ich! Am Kopfende!

— Da hört sich ja alles auf! Wie kommt die nur dazu, sowas zu behaupten! Du, am Kopfende!

— Ich weiß es doch auch nicht. Auf dem Friedhof war sie übrigens auch noch nie, glaube ich. Als ich sie einmal mitnehmen wollte, hatte sie angeblich Durchfall.

— Na, das ist ja sehr kommod!

— Die geht auch nicht mehr ans Telefon, wenn ich anrufe. Ach. Ach.

Ich habe eine GPS-Markierung für den Fall, dass mich jemand fragt, wo meine Leute liegen. Dachte bisher, dass das im Grunde der Goldstandard ist. Wieder was gelernt. Sogar beim Sterben kann man 'ne Menge falsch machen. Das passiert dem alten Hans kein zweites Mal. Versprochen.

Autor: Hulot ·

Deal ist Deal

Der Kater hat sich mit einem lockeren Sprung für meinen Schreibtisch entschieden. Diskussion zwecklos. Nehme dienstfertig sein Diktat auf. Geschichten über Geheimnisse, Jagd und Kampf. Katzen kennen weder Zweifel noch Niederlagen. Lassen uns die Drecksarbeit machen. Geben uns das Gefühl, alles wäre unsere Idee. Als Dankeschön.

Das alles sollte ich eigentlich niemandem erzählen. Aber wer würde mir schon abnehmen, dass ich das alles von einem Kater weiß? Eben.

Autor: Hulot ·

Letzte Runde

– Als Vogel. Oder als Katze.

Verdammt schnelle Antwort. Die meisten überlegen erst eine Weile und halten mich dann für verrückt. Als was willst du wiedergeboren werden? Was ist daran so ungewöhnlich?

– Was nun? Vogel? Oder Katze?

– Katzen sind elegant und leben länger. Vögel haben den besseren Ausblick.

– Logisch.

– Und du?

Der Sonntagnachmittag ist einfach zu schön. Ich verkrieche mich hinter einem feigen Keine Ahnung. Die Welt ist verrückt. Mir reicht die eine Runde. Habe ein Glaskinn, das hier ist nichts für mich auf Dauer. Irgendwann ist es vorbei. Gut so. Hoffentlich endgültig. Behalte das aber für mich. Die Vögel singen gerade so schön im nassen Sonnenlicht.

Später bedankt sie sich bei mir, dass ich sie liebe. Als ob sich die Luft bedanken müsste, weil ich sie atme. Wenn du wüsstest, Baby. Wenn du wüsstest.

Autor: Hulot ·

Erika

Im Keller, wo die Poststelle jeden Tag gegen Geplapper aus Papier kämpft, steht Erika. Der Krebs hat ihr die Haare vom Kopf gefressen. Die Chemo sie sowas ähnliches wie gerettet. Unsere Bosse füttern sie mit Krümeln, damit sie nicht verhungert – noch nicht. Dafür schmeißt sie sich nebenbei noch als Beauftragte für die Behinderten ins Feuer. Die wiederum arbeiten in den Büros und schauen sie nicht mal mit dem Hintern an. Wie alle anderen auch.

Erika pinselt sich dicke braune Balken auf die Stirn. Kriegsbemalung. Augenbrauen waren gestern. Sie findet das gut. Dinge gehen nicht verloren, nur woanders hin. Haare gehören dazu. Hat nicht aufgegeben, steht immer noch. Lässt sich von keinem dumm kommen. Scheißt den Paketfahrer zusammen, der letzte Woche zu faul war, seinen Kram bei ihr abzuladen. Deshalb schuftet sie heute doppelt so viel.

Wenn du so weit unten stehst, gibt's nur eine Wahrheit: Der Teufel kennt deinen Namen. Und wenn er dich noch ’ne Weile quälen will, lässt er dich einfach hier. Die Poststelle ist im Keller. Tiefer geht’s nicht. Aber du hast die Wahl. Liegenbleiben? Aufstehen? Immer wieder? Wie oft noch?

Auf dem Weg zur Schicht sehen für Erika die Sterne immer wie in den Himmel gespuckt aus. Seltsam. Früher waren das Bilder und Geschichten. Damals, als die Geschichte noch auf der richtigen Seite war. Auf der Straße prügeln sich drei Krähen um zwei halbverdaute Burger. Im Radio singt eine Band, die nur aus blinden Gospelsängern besteht. Ein Schritt – und der Truck erledigt den Rest. Aber du hast die Wahl.

Autor: Hulot ·

Drecksvieh

Immer wieder
der schwarze Hund.
Hechelt mir hinterher
tagelang,
wochenlang,
steht mir im Weg
sperrt mich ins Dunkel.
Dort kann niemand
etwas tun,
das es nicht
noch schlimmer macht.
Medizin wird Gift.
Gift wird Freund.
Drecksvieh.

Früher habe ich
gesoffen
doch das Bellen
wurde trotzdem
nicht leiser.
Nur gedämpfter.
Spare mir das jetzt und
renne durch die Welt.
Hält den Köter
auf Abstand.
Unterwegs entwerfe ich Plots,
so gut, ich
werde sie niemals
schreiben können.
Oder Stories,
die außer mir
keiner versteht.
Egal.
Bin ein Verrückter,
eingesperrt in die Gummizelle
des eigenen Kopfs und
kichere über meine eigenen
Witze
auf der Fahrt
in den Wahnsinn.

Bin danach komplett leer
richtig hohl,
ein Schwarzes Loch,
immer hungrig,
immer gierig,
immer auf der Suche nach Opfern,
die zu nahe kommen.
Zu fertig
für den schwarzen Hund,
das Drecksvieh,
die Depression,
den Zweifel,
die Angst vor dem
was in meinem Kopf
zur Matinee läuft.
Systeme im Neustart.

Autor: Hulot ·

Vielleicht daran

Ich schicke ihm
ein Gedicht
von Bukowski
über André the Giant:

(…) In Paris | hatte er gerungen mit dem | Engel des Todes. | Dieser Gegner ließ | nicht mit sich | reden.

Zwei Smileys
mit Sonnenbrille
hat er dafür übrig
und haut hinterher
noch 'ne leere
Hülse
über seine Fußballmannschaft raus.

Das Ding ist völlig
über ihn
hinweg geflogen.
Geräuschlos
wie ein leerer Blick,
ohne Leuchten
ohne Luftzug.
Die Staubkörner
auf seiner Seele:
bewegungslos.

Aber daran
erkennt man vielleicht
Freunde:
Dass man
jedes Mal hofft,
im Stillen,
eine der geschmissenen Perlen
schimmert stark genug
im trüben
Schweineschlamm.

Ich suche weiter.
Ich werfe weiter.
Da lasse ich
nicht
mit mir reden.

Autor: Hulot ·

Ein bisschen Milch für den Streuner

Aufblende: Nachmittag. Eine Bar. Der Besitzer hat den zwei letzten Stammgästen aufgeschlossen. Sonst schaut hier so gut wie niemand mehr rein. Beide sitzen am Tresen. Irgendwie ist wieder einmal die Kacke am dampfen.

– ...eigentlich wollte ich heute Home Office machen. Aber die Katze lag schon so gemütlich auf dem Schreibtisch. Habe es nicht über's Herz gebracht, sie zu vertreiben.

– Verstehe. Aber die ganze Sache ist hier ein bisschen aus dem Ruder gelaufen.

– Der Prophet Mohammed hat sich sogar den Ärmel von der Kutte geschnitten, weil da drin ein kleines Kätzchen seinen Mittagsschlaf gehalten hat. Er wollte es nicht wecken. So ein Ding ist das nämlich.

– Ist klar Jay. Wenn's um Katzen geht, rennst du bei mir offene Türen ein. Trotzdem: Wir müssen das irgendwie reparieren. So kann es nicht bleiben.

– Ich schwöre, als ich es durchgerechnet habe, sah das alles gut aus. Keine Ahnung, wie das so kippen konnte!

– Die Variablen waren am Anfang ja noch ganz anders belegt. Du hast mit zwei Einheiten begonnen. Jetzt sind wir bei acht Milliarden, Tendenz steigend. Ist ein ganz schönes Stück Strecke. Dumm nur, dass das nicht skaliert.

– Zu viele Herzen für zu wenig Liebe.

– Plus Katzen. Die musst du auch noch dazu zählen.

– Wie wäre es mit einem Reset? Alles nochmal neu machen? Bisschen mehr auf Balance achten?

– Ich dachte dieses Ding mit Regen für 40 Tage und Nächte willst du nicht mehr durchziehen? Außerdem würden dir die Katzen was husten.

Die Tür geht auf und herein kommt der Dichter von nebenan. Er setzt sich in die Ecke. Will seine Ruhe, am besten eine ganze Flasche davon.

– Manchmal muss man einfach handeln.

Einfach ist keine Qualität an sich, Jay. Hey, Kischka! Du kennst dich doch damit aus: Wie bekommen wir die Liebe der Welt gleichmäßiger verteilt?

Der Dichter lacht bitter. Da fragt ihr den Richtigen. Was weiß ich. Hab damit nix am Hut.

– Aber die Leute halten dich für 'nen prima Kerl. Einer, der immer ein offenes Ohr hat. Den man ansprechen kann. Der immer eine Lösung weiß.

Die Leute haben keine Ahnung. Ich helfe denen nicht, schon gar nicht aus Liebe. Wüsste auch nicht, was das eigentlich ist. Gebe ihnen nur etwas, damit sie verschwinden. Wenn sie es dann nicht noch schlimmer machen, war's ein guter Tag. Liebe. Phh. Hab ja kaum für mich genug von dem Zeug.

– Aber ich habe es durchgerechnet! Es hätte passen müssen!

– Du warst das? Du hast das verbockt? Na vielen Dank auch.

Kischka steht auf, tritt Jay den Barhocker unterm Hintern weg, schleift ihn hinter die Bar und teilt ordentlich aus. Als er zurück kommt, schnauft er schwer und ordnet seine Klamotten. In der Zwischenzeit ist ein Streuner in die Bar gehuscht und stolziert über den Tresen.

– Hast du was von ihm übrig gelassen?

– Klaro. Bin ja kein Sadist. Musste aber Mal sein. Am Anfang war vielleicht das Wort. Aber jetzt hat er hoffentlich gut zugehört. Sonst müssen sich meine Fäuste nochmal wiederholen.

– Jay ist kein schlechter Kerl.

– Aber ein Trottel. Wer zum Henker baut eine Welt, in der es Krebsstationen für Kinder braucht.

– Das habe ich auch nie verstanden.

– Katzen und Liebe hin oder her – das ist keine Welt, sondern Sabotage. Ein schlechter Streich. Die Tüte voller Hundekacke brennt und wir Idioten trampeln drauf rum.

Der Barkeeper fragt, ob es noch was sein darf. Kischka bestellt drei Bier und ein Schälchen Milch für den Streuner. Jay kommt zurück mit einem Gesicht wie verwischte Kreide, setzt sich dazu. Kischka schiebt ihm eine Flasche rüber. Abblende.

Autor: Hulot ·

Und draußen pfeifen die Ratten unser Lied

Es ist niemals richtig hell geworden. Als wäre das Universum in die Kloschüssel gefallen und jemand hätte den Deckel draufgeknallt. Alle Mann an Bord, bereit zum Runterspülen. Anders lässt sich das nicht erklären. Da suchen Wissenschaftler nach dunkler Materie, die keiner sehen kann, die dich in tausend Stücke zerfetzt, wenn du zu nah ran gehst, nach irgendeinem Schmant, der das Ganze zusammenhält. Und dann stellt sich raus, dass es diese graue Pampe ist.

„Wir leben in einer riesigen Sülze“, sage ich ihr. „Halten uns für die Krone der Schöpfung, damit wir uns in all der Scheiße nicht langweilen. Baby, wenn es wirklich dunkle Materie geben sollte, dann in uns.“

Genervt bläst sie den letzten Qualm ihres Joints raus und schnippt den Stummel aus dem Fenster. Ich kann fast hören, wie sie die Augen verdreht.

– Geh zum Arzt und lass dir die Zündkerzen auswechseln. Das Gequatsche erträgt man ja nicht mehr. Oder schreib’s auf. Je nachdem, was dich unglücklicher macht.

– Baby, ich bin Künstler. Da gehört eine gepflegte Meise zur Grundausstattung. Hättest du 'nen Immobilientypen bekommen, wärst du jetzt irgendwo am Meer und wüsstest nicht, ob dein Stecher segelt oder seine Sekretärin pimpert. Haste aber nicht. Deshalb haben wir zwei heut Abend Gottesdienst auf der Matte gefeiert. Bei mir kannst du dir sicher sein, dass ich den einzigen Menschen, den ich aushalte, nicht bescheißen würde. Das ist so 'ne universelle Konstante.

Universelle Konstante? Ich sehe dich hier nur abhängen. Von den alten Zeiten schwärmen, Kopf im Sand, Arsch hoch. Bist du mein Vogel Strauß?

– Was hast du gegen Strauße?

– Nichts. Sind halt keine echten Vögel. So wie du. Nur pro forma Künstler. Wer nicht fliegen kann, ist nur ein fettes Schwein mit Federn.

– ...aber hat auch große Eier. Kann ich mit leben, Baby. Bring mir einfach noch ein Bier mit.

Als sie mit ihren kleinen nackten Füßen über den Boden tänzelt und den Plattenspieler anstößt, springt die Nadel vom Brabbelgesang eines Schamanen auf die unerträglich zuversichtliche Melancholie eines dudelnden Akkordeons. Keine Ahnung, was das für eine Platte ist.

Statt Bier bringt sie mir einen Wein. Am Glas kleben noch Reste von Lippenstift und Haferflocken. Was soll’s. Liebe geht durch den Magen.

Ich gehe ans Fenster und blicke in den Hinterhof. Zwei Katzen balgen sich um ihren Lieblingspissfleck. Oder einen toten Vogel. Aus der Mietskaserne gegenüber winkt mir vom Balkon ein Sonnenschirm zu. Wenigstens einer, der noch nutzloser ist als ich.

Es wird langsam dunkel.
Gott sei Dank.

Autor: Hulot ·

Die Moritate vom blutigen Knie

...und manchmal
schenkt uns der große
Regenmacher
diese Tage, aus reiner
Lüge.
Das Gras? Zu grün.
Der Wind? Zu weich.
Die Straßen? Leer wie die
Versprechen
von Abenteuer
für die Kids
im Hinterhof.

Scheißegal:
Mülltonnen zu Ritterburgen!
Teppichstangen zu Weltmeisterstadien!
Elfe-Zwölfe, Gummipille,
Tor mit Kopp
zählt doppelt.

Triumphale Knie,
blutig,
dreckig,
geht schon noch.
Heimlicher Qualm
Zigaretten geklaut,
in Comics versteckt
durch Pfeffis zerlutscht
geht das noch?

Im Kino
der Duft ihrer
Haut so ungeküsst und
ehrlich und Sperrgebiet
für deine Pfoten – heute.

Tollkühne Männer
zur See,
im All,
im Sherwood Forest,
echte Helden,
falsche Wimpern.

Als hätte es das alles
nie gegeben:
Enttäuschung und Hass,
Pflichten und Schnaps,
das Heulen und Knallen,
die Großen, die Alten,
mit Händen als Fäuste.
An den falschen Stellen.

Eine Nasenflöte kommt vorbei,
spielt die schönste
Symphonie
so wunderbar,
dass sogar die schwarzen Hunde
vergessen dass wir ihre
dreckige Beute sind.
Dahinter ein Schimpanse
mit Brille und 'nem Ausweis
von der Südsee –
Botschafter für Grimassen
und Sehnsucht auf der
Suche nach uns.

Und wenn es morgen
wieder Sorgen regnet,
können doch alle
über heute sagen:

Wir haben gelebt.
Wie Götter,
die Kinder sein durften.
Ganz.
Kurz.
Und keiner hat's
bemerkt.

Autor: Hulot ·