Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

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Es müsste

...eine Welt geben, in der man den ganzen Tag sein Haustier streichelt. Aus einem gelben Hahn in der Wand Vanillepudding kommt. Statt deprimierender Nachrichten Gedichte im Fernsehen laufen. Pornos eine Minute lang sind, weil einer der beiden "Hab gerade keine Lust" sagt, der andere "OK, dann kuscheln wir einfach" antwortet und beide lächelnd einschlafen. Neben dem gelben Hahn ein grüner aus der Wand guckt, der Bier spendet. Missverständnisse passieren und alle lachen. Niemand friert, hungert, weint. Noch ein einziger guter Indiana-Jones-Film rauskommt. Sterben nicht traurig ist.

Gibt's nicht, glaube ich. Dann mache ich Mal eine.

Petoskey (USA), 22:01 Uhr

Der Pfiff. Rucken. Schwermetalliges Scheppern. Der Takt des Gleises. Ernest stellte sich vor, wie der Wind während der Fahrt den warmen Kessel der Lokomotive streichelte. Jeder hatte jemanden. Außer ihm.

Dort draußen, im Dunkeln, hatten sich seine Prudence und Frank auf dem Waldboden rumgewälzt. Vater war auf dem Weg zum Angeln am Fluss fast über sie gestolpert. Nun war sie sogar am Bahnhof gewesen. Allein. Nicht, um ihn aufzuhalten. Vater wird sie hergeschleppt haben.

Hier drinnen, zwischen fremden Menschen, brach sein Herz erneut. Sicher für immer. Ernest versuchte, sich die Tränen zu verkneifen – umsonst. Er zog den Stetson runter. Schwärze umgab ihn.

Wie ihr duftendes Haar.

Ausgebreitet.

Auf Franks Rattengesicht.

Scheißbruder.

Magen. Faust. Geballt. Tränensalz klebte seine Lider zusammen. Bald schlief er ein. Als der Schaffner ihn weckte, hatte er sein gebrochenes Herz fast vergessen. Noch drei Stationen.

Hier. Jetzt. So.

Nothing that’s forced can ever be right. If it doesn’t come naturally leave it.

Danke an die Nachtkatz für dieses Rettungswort. Da ist ganz viel Meer und Untergang, dafür ganz wenig alter Mann.

Aber noch schwimmen wir. Zu den besseren Zeiten hin.

Irmingersee (Internationale Gewässer), 22:00 Uhr

„Bald ist es geschafft! Seevögel berichten, dass die Menschen der Geburtsaufwerfung gegen jene der trüben Strudel der anderen Seite kämpfen wollen! Wegen der kahlen Kälte hinter uns! Welch Glück!“

Der alte Hwert schaute stolz in die Runde. 360 Glattwale. Mehr gab es nicht auf der Welt. Er kannte sie alle. Wäre jemand nun nach oder von Grönland geflogen, hätte er ihr erregtes Zittern in den Wellen beobachten können. Doch es interessierte niemanden mehr, was unterhalb der Wasseroberfläche lebte. Sie waren wiedermal zu beschäftigt, sich gegenseitig zur Beute zu machen.

„Aber“, fiepste es aus der Tiefe, „werden uns dann nicht wieder ihre eigenen Wale jagen? Ich schmecke noch immer ihren Donner und spüre das Kreischen.“

„Keine Sorge“, antwortete Hwert. „Das war früher. Heute kämpfen sie mit gefräßigen Sonnen. Wird schnell gehen. Danach wird alles wieder gut sein. Kopf einfach unten halten.“