Lindenfels (Doppelmonarchie Lindenfels-Schreiburg), 22:21 Uhr
Kräftiges Flügelschlagen trieb schweren Lindenblütenduft zu Kischka herüber. Der Rabe landete über ihm im Geäst und musterte ihn von oben herab. Jenseits der Friedhofsmauern ratterten die letzten Kutschen heimwärts.
– Sag, Kischka, was machst du heute Abend hier so allein?
– Ich warte auf Mitternacht. Auf den Teufel. Man sagt, dass er hier erscheint und Wünsche erfüllt.
– Welchen könnte er dir denn erfüllen? Zu welchem Preis?
– Ich muss wissen, wie es meinen toten Eltern geht. Drüben.
– Warum gehst du nicht zur Konkurrenz?
– Vertrau auf den Trost des Herrn – Pah! Ich muss wissen. Um jeden Preis. Jetzt.
– Vertraust du ihm?
– Vertrauen ist was für Leute, die glauben, noch eine Wahl zu haben.
– Und Verzweiflung kennt keine Regeln. Warum sollte er sich dir zuliebe an deine halten?
– Weil ich sein Geheimnis kenne.
Ihre Blicke trafen sich.
Der Vogel floh.
Kischka hatte seine Antwort.