Erika
Im Keller, wo die Poststelle jeden Tag gegen Geplapper aus Papier kämpft, steht Erika. Der Krebs hat ihr die Haare vom Kopf gefressen. Die Chemo sie sowas ähnliches wie gerettet. Unsere Bosse füttern sie mit Krümeln, damit sie nicht verhungert – noch nicht. Dafür schmeißt sie sich nebenbei noch als Beauftragte für die Behinderten ins Feuer. Die wiederum arbeiten in den Büros und schauen sie nicht mal mit dem Hintern an. Wie alle anderen auch.
Erika pinselt sich dicke braune Balken auf die Stirn. Kriegsbemalung. Augenbrauen waren gestern. Sie findet das gut. Dinge gehen nicht verloren, nur woanders hin. Haare gehören dazu. Hat nicht aufgegeben, steht immer noch. Lässt sich von keinem dumm kommen. Scheißt den Paketfahrer zusammen, der letzte Woche zu faul war, seinen Kram bei ihr abzuladen. Deshalb schuftet sie heute doppelt so viel.
Wenn du so weit unten stehst, gibt's nur eine Wahrheit: Der Teufel kennt deinen Namen. Und wenn er dich noch ’ne Weile quälen will, lässt er dich einfach hier. Die Poststelle ist im Keller. Tiefer geht’s nicht. Aber du hast die Wahl. Liegenbleiben? Aufstehen? Immer wieder? Wie oft noch?
Auf dem Weg zur Schicht sehen für Erika die Sterne immer wie in den Himmel gespuckt aus. Seltsam. Früher waren das Bilder und Geschichten. Damals, als die Geschichte noch auf der richtigen Seite war. Auf der Straße prügeln sich drei Krähen um zwei halbverdaute Burger. Im Radio singt eine Band, die nur aus blinden Gospelsängern besteht. Ein Schritt – und der Truck erledigt den Rest. Aber du hast die Wahl.