Und draußen pfeifen die Ratten unser Lied
Es ist niemals richtig hell geworden. Als wäre das Universum in die Kloschüssel gefallen und jemand hätte den Deckel draufgeknallt. Alle Mann an Bord, bereit zum Runterspülen. Anders lässt sich das nicht erklären. Da suchen Wissenschaftler nach dunkler Materie, die keiner sehen kann, die dich in tausend Stücke zerfetzt, wenn du zu nah ran gehst, nach irgendeinem Schmant, der das Ganze zusammenhält. Und dann stellt sich raus, dass es diese graue Pampe ist.
"Wir leben in einer riesigen Sülze", sage ich ihr. "Halten uns für die Krone der Schöpfung, damit wir uns in all der Scheiße nicht langweilen. Baby, wenn es wirklich dunkle Materie geben sollte, dann in uns."
Genervt bläst sie den letzten Qualm ihres Joints raus und schnippt den Stummel aus dem Fenster. Ich kann fast hören, wie sie die Augen verdreht.
– Geh zum Arzt und lass dir die Zündkerzen auswechseln. Das Gequatsche erträgt man ja nicht mehr. Oder schreib's auf. Je nachdem, was dich unglücklicher macht.
– Baby, ich bin Künstler. Da gehört eine gepflegte Meise zur Grundausstattung. Hättest du 'nen Immobilientypen bekommen, wärst du jetzt irgendwo am Meer und wüsstest nicht, ob dein Stecher segelt oder seine Sekretärin pimpert. Haste aber nicht. Deshalb haben wir zwei heut Abend Gottesdienst auf der Matte gefeiert. Bei mir kannst du dir sicher sein, dass ich den einzigen Menschen, den ich aushalte, nicht bescheißen würde. Das ist so 'ne universelle Konstante.
– Universelle Konstante? Ich sehe dich hier nur abhängen. Von den alten Zeiten schwärmen, Kopf im Sand, Arsch hoch. Bist du mein Vogel Strauß?
– Was hast du gegen Strauße?
– Nichts. Sind halt keine echten Vögel. So wie du. Nur pro forma Künstler. Wer nicht fliegen kann, ist nur ein fettes Schwein mit Federn.
– ...aber hat auch große Eier. Kann ich mit leben, Baby. Bring mir einfach noch ein Bier mit.
Als sie mit ihren kleinen nackten Füßen über den Boden tänzelt und den Plattenspieler anstößt, springt die Nadel vom Brabbelgesang eines Schamanen auf die unerträglich zuversichtliche Melancholie eines dudelnden Akkordeons. Keine Ahnung, was das für eine Platte ist.
Statt Bier bringt sie mir einen Wein. Am Glas kleben noch Reste von Lippenstift und Haferflocken. Was soll's. Liebe geht durch den Magen.
Ich gehe ans Fenster und blicke in den Hinterhof. Zwei Katzen balgen sich um ihren Lieblingspissfleck. Oder einen toten Vogel. Aus der Mietskaserne gegenüber winkt mir vom Balkon ein Sonnenschirm zu. Wenigstens einer, der noch nutzloser ist als ich.
Es wird langsam dunkel.
Gott sei Dank.