Bloggen Sie aus tiefstem Herzen! Bloggen Sie über etwas, das Sie gelernt haben, bloggen Sie über etwas, das Sie interessiert. Bloggen Sie über Kameras oder HTML oder über den einen Browserfehler, der Ihnen heute Morgen aufgefallen ist, oder bloggen Sie über den Himmel über Ihnen, genau in dieser Sekunde. Wie viele Wolken sind da oben? Bloggt über eure nervigen Kinder und eure verkorkste Beziehung und bloggt über die schreckliche Zeit, als ihr mit ein paar Leuten, mit denen ihr nicht wirklich befreundet wart, an den Strand gegangen seid und euch betrunken habt und es dann richtig dunkel wurde und ihr kein Zelt hattet, also habt ihr die ganze Nacht auf einer Sanddüne geschlafen.
Ich sage euch noch einmal: bloggt einfach!
Sehr schönes Manifest über das Bloggen, das einfach loslegen, das für sich selbst machen von Robin Rendle. Gefunden beim mindestens genau so großartigen Johannes Kuhn – in dessen Blog!
Übergänge, Zwischenräume, Transite
Ortsderby verloren.
Die Trainerin (eine App) verlangte heute 10 km als Müden Lauf nach den 21 km von gestern. Habe die Beine einfach laufen lassen. Neue persönliche Bestzeit erreicht.
Mein Körper entwickelt sich mit Blick auf seine Fitness also nicht mehr linear sondern vollkommen erratisch. Vielleicht ist der Gedanke, alles ihm zu überlassen, das günstigste Kapitulationsangebot, zu welchem mein Verstand derzeit in der Lage ist.
Weil ich mit Blick auf den Datenschutz von mehr als 400 Menschen den Wunsch einer anderen Abteilung nicht erfüllen konnte (und wollte), wurde ich bei meinen Vorgesetzten als jemand denunziert, der immer alles blockiere. Es solle mir die Durchführung angewiesen werden. Und so geschah es.
Ein Arbeitsumfeld voller Akademiker ist nichts anderes als eine Süßwarenkasse. Die lautesten Quengler bekommen immer ihren Willen. Aber die Bureaukratie vergisst nicht. Wir haben Akten. Wir können warten.
Auf dem Weg zum Mittagessen am Lieblingsbuchladen vorbei gekommen. Schwach geworden. Aber glücklich.
Ein Auto ausgeliehen und kurzfristig zu meinen Eltern gefahren. Das ist kein gutes Zeichen.
Zwei Tage lang geheizt und heute die kalte klare Luft im Haus vermisst. Die Heizung wieder ausgestellt.
Blogs, die nach Jahren der Stille im Feedreader erscheinen, wie eine Auferstehung, aber eine Auferstehung gibt es nicht.
Noch bevor sie mich mit ihrem Lamento besingen konnten, heute Jedem und Jeder im Büro zuvor gekommen und gefragt, was ihnen an diesem Tag bisher Gutes widerfahren ist. Das war schön.
Wie alt mag ich gewesen sein, als ich hier oben die letzten Heublumen aus den Fugen zwischen den groben Dielen gekehrt habe? Fünfzehn, sechzehn, siebzehn? Lang haben wir noch die eine Kuh gefüttert, lang noch gemolken, weniger und weniger.
Die alte Frau von gegenüber kam nicht mehr zum Milch holen, und auch ihr Brennholz mußte ich nicht mehr spalten. Sie war gestorben. Jeder Balken sitzt noch im Gebälk, wie ich ihn kenne. Die engen Büge zwischen Pfosten und Pfetten, in die ich immer einen Fuß gestellt habe, um auf den Mittelboden zu kommen. Die kleine Kinderfurcht, mit dem Fuß hängen zu bleiben, an dieser Übergangsstelle, Meter über dem Futtergang.
Heute muß ich mich unterm Gebälk ducken, und durch den engen Durchbruch in der Wand, der ins Kinderzimmer meiner Mutter führt, passe ich längst nicht mehr. Dort haben wir die Tapeten bewundert und sind bis zu den Hüften im Getreide gestanden, das dort gelagert wurde. Es braucht Stunden, bis ich begreife, daß der alte Stall nicht kleiner geworden ist. Sondern daß ich gewachsen bin.
Ich bin mir nicht sicher, ob mein Eifer und meine Begeisterung mich so kindlich wirken lassen. Vielleicht ist es nur die Meta-Begeisterung, vielleicht nur der Meta-Eifer, mit dem ich aller Welt zeigen muß, was ich gemacht, gefunden, gesehen und gelernt habe. Wir sind lang keine Studenten mehr, und noch länger keine Schüler. Und ich kann selbst über meinen Eifer lachen, wenn ich anderen davon erzähle. Und ich weiß trotzdem, daß meine Stimme heiß läuft, wenn ich vom Neuesten erzählen darf, was mich bewegt. Wer mir zuhören will, den will ich begeistern, mitreißen. Dem zeige ich Kabel auf dem Balkon, auch wenn es in Strömen regnet. Dem führe ich Grafiken vor, über denen ich Stunden heißen Eifers ausgegossen habe. Dünne Linien vor weißem Hintergrund, die ein paar Kilowattstunden zeigen. Daß ich Verkäufer werden könnte, sagen sie mir lächelnd, und nichts könnte falscher sein.
Atari, Ko, Freiheiten, Tsumego: Die durch den Langstreckenlauf gewonnene körperliche Kraft in seelische Ruhe und damit in geistige Spielfreude für Go transformiert. Der Energieerhaltungssatz des Herbstes. Am Abend mit der Frau Liebsten noch 7 km glücklich gejoggt. Oktober mon amour.
Auch wenn ich fast nichts über Pflanzen weiß und schon gar nicht deren Namen, war ich doch sehr gern im Botanischen Garten von Lund.
Ich weiß, daß mein Telefonvertrag auslaufen wird, denn das tun all diese Verträge, auch wenn deren Anbieter das nicht gern zugeben. Ich weiß auch, wann er das tun wird, denn ich trage solche Termine in meine Kalender ein: Eine Woche vor Fristende, am Fristende und am Vertragsende werde ich erinnert. Das ignoriere ich meist, denn es kommt ja selten etwas Besseres nach. Ich erinnere an dieser Stelle an einen der Sätze, die ich gern und häufig und ebenso unpassend verwende: 'S isch wie bei de Mädle au.
Nun habe ich heute morgen aus einer Laune heraus also diesen Vertrag gekündigt. Ich bekomme eine Bestätigung und weiß nun, daß ich ab einem gewissen Tag ohne Telefon dastehen werde, denn ich habe nur dieses eine. Und das ist heute und vielleicht auch morgen noch ein sehr befriedigendes Gefühl: Eine Frist wird enden, eine Verbindung wird aufgelöst, und auf die Mauer zwischen mir und der Welt kommt ein weiterer Stein. Und natürlich werde ich irgendwann vor diesem Termin einen neuen Vertrag eingehen, denn ohne Telefon, machen wir uns da nichts vor, geht nichts mehr vor und zurück. Nicht einmal mehr mein Bankkonto, fällt mir ein, denn auch dieses ist irgendwie ans Telefon gebunden. An die Nummer oder an das Gerät? Ich weiß es nicht. So genau möchte man all das gar nicht wissen, man käme ja zu nichts mehr außer Aufregung. Die werden das schon richten, denke ich, aber dann graust es mich doch vor mir selbst. Und vermutlich werde ich genau deshalb aus einer anderen Laune heraus wieder einen Telefonvertrag abschließen: damit andere sich kümmern können, damit alles funktionieren kann, damit die Konventionen eingehalten werden. Ein Telefon, das hat man eben, wie man vieles andere auch einfach hat. Vielleicht kündige ich ja lieber meinem Gasanbieter.
Vor einer Woche habe ich endlich, nach über 15 Jahren, die Löcher im Putz ausgebessert, die der Elektriker in der Zimmerwand hinterlassen hatte. Lehmputz lässt sich einfach verarbeiten, es ist in etwa so, als ob man eine Sandburg am Strand bauen würde. Heute habe ich das Zimmer gestrichen. Die Zimmerecke nach Nordwest ist noch immer nass und hält die Farbe nicht. Das ist die Stelle des Hauses, an der die Bauphysik in Biologie übergeht, fast schon organisch.
Wie selbstverständlich es geworden ist, daß einer der hiesigen Unternehmer, Bauern und Gärtner einfach zusammenklappt. Wo ist er denn, fragen die einen, und die anderen sagen wissend, er sei beim Einstellen, zur Kur oder einfach so in der Klinik. Nach ein paar Tagen, nach einer oder zwei Wochen sind sie stets wieder da, arbeitsam wie immer. Nur ruhiger werden sie jedes Mal, die Augen dunkler, sie werden rarer und unsichtbarer im Dorf und abseits ihrer Arbeiten. Ich kann mich an ihr Lachen noch erinnern, es aber nicht mehr hören. Sie halten es aus, sie halten es durch. Wir nehmen es zur Kenntnis, nehmen es hin. Gewöhnen uns daran, daß von diesen Menschen langsam etwas abzubröckeln scheint.
So viele Winter, so viel Frost in nur einer Seele. Die Krankheit meines Vater lässt ihn mich belügen und am Ende des Tages sitze ich wieder hier, pendle zwischen Enttäuschung und Verständnis, wartend auf eine gute Erklärung (vor der ich mich fürchte) oder wenigstens Schlaf (vor dem ich mich fürchte). Neun Wochen trocken ist er gewesen, vielleicht, neun Wochen, in denen das Leben in ihn zurück gekehrt schien.
Während draußen das Grollen des Einheitsfeier-Feuerwerks unter den Wolken der Nacht qualmend in schnell vergessene Belanglosigkeit zerbricht, beginnen wir wieder bei Null.
Nicht ohne mein Zutun, aber fast ohne mein Zudenken und Vorplanen hat sich für die Tage im Heimbüro eine Routine eingeschlichen, die mich an die Erzählungen älterer Herren denken lässt: In der Küche läuft leise das Radio, die Kaffeemaschine bereitet zuerst sich selbst und dann mich auf den Tag vor. Im Türrahmen dehne ich die Schultern, die der Bürotag wieder beugen wird. Die Tasse klirrt ein wenig, als die Pumpe das Maschinchen in Schwingungen versetzt, und währenddessen dehne ich meine Unterschenkel, indem ich meine Zehen genauestens zu betrachten versuche. Immerhin meine Brille trage ich zu diesem Zeitpunkt schon. Im Bad lasse ich ein anderes Maschinchen schwingen - die neue Zahnbürste hat großes Lob verdient. Selten war so viel Freude am Zähneputzen, und nie waren die Zähne derart blank und glatt. Und ich bin bereit zuzugeben, daß weder die billigste Maschine noch die billigsten Bürstenköpfe ein hinreichend gutes Argument gegen diese Anschaffung waren. Auch wenn ich seit der ersten Erfahrung mit einer solchen Wunderzahnbürste noch knapp sieben Jahre mit mir gerungen habe, in denen ich auf das noch und nöcher lauffähige Modell verwiesen habe. Immer wieder Bürsten gekauft in großen Packungen, und immer wieder beschlossen, daß sich das schon noch ausgehen wird. Nun steht die alte Maschine seit einer Woche tatenlos daneben und wird demnächst einen Ruhestandsplatz in der Garage bekommen. Mit alten Bürsten habe ich schon oft Teile gereinigt und poliert. Das möchte ich der neuen Maschine dann doch noch nicht antun. Kreislauf der benutzten Dinge, der Haushaltskleingeräte, wie es so schön heißt. Und daß der Kreislauf ein Wunschdenken ist, das wissen wir längst, so ehrlich sind wir morgens vor dem Spiegel, der von der schönen neuen Bürste leider immer voller Spritzer ist. Irgendwas ist ja immer.
Ich bin mehr und mehr froh und zufrieden mit mir, wenn ich einer brandheißen Diskussion durch aktive Nichtteilnahme entwischen kann. Nicht, daß ich keine Meinung finden könnte, das ist es nicht. Ich möchte keine finden oder keine kundtun, und in den meisten Fällen habe ich kein Gefühl des Beitragens mehr. Gelassenheit ob der eigenen Resignation, und nicht zum ersten Mal verlaufe ich mich in Metaebenen.
Ein Gespräch mit meiner Versicherungsvertreterin. Ich verstehe nicht, was sie sagt. Sie versteht nicht, was ich will. So geht das fast eine Stunde lang. Ich habe einen eigenen Bildschirm vor mir, auf dem sie mir Kreisdiagramme und mit verschiedenen Farben ausgefüllte Balken zeigt. Es wird auf jeden Fall teurer, deshalb bin ich wahrscheinlich hier, so ganz weiß ich das auch nicht. Am Ende will ich nur noch unterschreiben, aber auch das ist nicht so einfach. Ich bin mit meiner Versicherung sehr zufrieden, doch wir finden nicht richtig zueinander.
Herr Harari ist ein Historiker aus Israel und hat das Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" geschrieben. Dieses möchte ich an dieser Stelle allein dadurch empfehlen, daß ich mich nicht getraue, es noch im Halbschlaf zu lesen, sondern es bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit sofort weglege, um nicht durch Unaufmerksamkeit einen klugen Satz zu verpassen. Dieses Buch bringt mir sehr viel bei, sortiert mich wundervoll in ebendiese Geschichte der Menschheit ein. Und als er die kognitive Revolution beschreibt, komme ich nicht umhin, meinen Daumen zwischen den Seiten zu betrachten, der das Buch offenhält. Aus dem vielfälgstigen wirklich manuellen Werkzeug haben wir so ein kleines Werkzeug des Lernens gemacht. Ich werde sehr klein und gleichzeitig sehr groß beim Lesen dieses Buches, und dieses kleine Wissen möchte ich an dieser Stelle teilen und empfehlen.