Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Nicht ohne mein Zutun, aber fast ohne mein Zudenken und Vorplanen hat sich für die Tage im Heimbüro eine Routine eingeschlichen, die mich an die Erzählungen älterer Herren denken lässt: In der Küche läuft leise das Radio, die Kaffeemaschine bereitet zuerst sich selbst und dann mich auf den Tag vor. Im Türrahmen dehne ich die Schultern, die der Bürotag wieder beugen wird. Die Tasse klirrt ein wenig, als die Pumpe das Maschinchen in Schwingungen versetzt, und währenddessen dehne ich meine Unterschenkel, indem ich meine Zehen genauestens zu betrachten versuche. Immerhin meine Brille trage ich zu diesem Zeitpunkt schon. Im Bad lasse ich ein anderes Maschinchen schwingen - die neue Zahnbürste hat großes Lob verdient. Selten war so viel Freude am Zähneputzen, und nie waren die Zähne derart blank und glatt. Und ich bin bereit zuzugeben, daß weder die billigste Maschine noch die billigsten Bürstenköpfe ein hinreichend gutes Argument gegen diese Anschaffung waren. Auch wenn ich seit der ersten Erfahrung mit einer solchen Wunderzahnbürste noch knapp sieben Jahre mit mir gerungen habe, in denen ich auf das noch und nöcher lauffähige Modell verwiesen habe. Immer wieder Bürsten gekauft in großen Packungen, und immer wieder beschlossen, daß sich das schon noch ausgehen wird. Nun steht die alte Maschine seit einer Woche tatenlos daneben und wird demnächst einen Ruhestandsplatz in der Garage bekommen. Mit alten Bürsten habe ich schon oft Teile gereinigt und poliert. Das möchte ich der neuen Maschine dann doch noch nicht antun. Kreislauf der benutzten Dinge, der Haushaltskleingeräte, wie es so schön heißt. Und daß der Kreislauf ein Wunschdenken ist, das wissen wir längst, so ehrlich sind wir morgens vor dem Spiegel, der von der schönen neuen Bürste leider immer voller Spritzer ist. Irgendwas ist ja immer.

Texas-Jim am 4. Oktober 2022 – 7:18 Uhr
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