Hart nachgedacht
Vielleicht schreibe ich am besten alle Titel des Albums hintereinander auf. Für die Zwischenräume findet sich was. Buchstabenstapelei, na klar, nichts anderes, wie immer.
Der Mensch ist eine seltsame Maschine: Sucht Muster im Zufälligen, gibt eigenen Sinn ins Chaos wie Spucke in eine Suppe. Unausdenkbar. Unabzählbar. Viel zu groß. Wie alles, alles über mir, von mir, viel viel zu groß ist und ich viel zu klein bin, viel viel zu klein, zu schlecht, ein Auswurf, ein Missverständnis, ein Stein im Schuh der Menschheitsgeschichte. Ich halte nur auf, verursache Schmerzen. Dabei saß ich einst im Hinterhof, über mir der Sommer eines längst schon toten Jahrtausends.
Das Schreien der Mauersegler. Im Radio gewinnt eine Frau einen Wettlauf, das war bedeutend.
Dachte mit Grauen daran, wie sie einst kommen und mich holen werden, ins Heim, in die Schule, in die Armee, wo Vater ist. Seine braune Reisetasche im Flur, Stapel schmutziger Wäsche daneben, so hoch und stinkend wie ich. Das Loch im Fenster der Tür, jeder kann durchgreifen, die Klinke herunter drücken, auch der hässlich Mann aus meinen Träumen, der lachend über die grünsplitterige Balkonbrüstung klettert, um mich zu holen, nicht in die Schule, nicht zur Armee, sondern zu sich ins Grauen, wo ich hingehöre, Versehen, Räudigkeit, Lügenschwein, Fresswanst.
Abfall
Sind so klare Linien, wie Leitplanken an einer Autobahn, an deren Ende eine Mauer aus Glas steht, geduldig wartend. Wie sie alle dahinter stehen, mich zu sich winken, ganz Asche und verfluchte Erde, ihre Versprechen abgeben, so lange jemand Fremdes zuhört: Dass sie mich lieben
dabei gibt es das gar nicht!
ganz bestimmt, dass ich etwas gut mache
dabei kann ich das gar nicht!
überhaupt etwas kann, ich einen Wert habe, dass Schönes passieren wird
dabei gibt es auch das nicht!
und diesmal ich damit gemeint bin und nicht dieses knotige Gefühl im Bauch, dass sich gerade wieder nach oben beißt. Der hässliche Mann steigt herauf
aus mir, wo er lebt, wie eine Eule im Wald
und ich will nur noch weg. In eine Maschine, die das Nachdenken im Bruchteil einer Sekunde zu Brei zermantscht. Vielleicht auch gleich den ganzen Kopf.
Dieser Moment, als ich im Schwimmbad einen Köpper vom Dreier versucht habe, meine Beine mich in der Luft überholten, ich im perfekten Winkel mit Rücken, Nacken und Hinterkopf auf dem Wasser aufknallte und die Welt plötzlich dunkel wurde. Der Frieden, die Stille, das Sinken ins Nichts.
Schütte Alkohol in mich rein, bis der Magen brennt, vielleicht holt ihn die Säure. Alles dreht sich nun, nur die Gedanken, die stehen still, klar, hart: Die letzte Stunde meines Lebens dauert auch bloß 60 Minuten. Und der schwarze Hund, der lacht. Nur er weiß, wann die erste anbricht. Vernunftbegabtes Drecksvieh.
Everyone have a great day!