Raumstation Ritter 23 (nähe Saturn), 22:37 Uhr
Seit dem Tod seiner Eltern boxte Jock Runde um Runde gegen die tote Luft, die ihn am Leben hielt. Erst Suff. Dann zusammengerissen. Hochgearbeitet. Gedankenkammerzeit war teuer. Für ihn aber notwendig. Die Bosse wussten, dass Credits Motivation bedeuteten. Und doch blieb gerade nicht mehr viel, wogegen oder wofür es sich zu kämpfen lohnte. Die Leere zuckt nicht. Höchstens mit den Schultern. Sie hatte Zeit.
Der Sand seiner Uhr hingegen rieselte wie der einer gottverdammten Wüstendüne, wenn eines der Tierchen bergab pinkelte. Er wusste nicht, wie sie hießen, aber er bewunderte sie. Kamen überall zurecht. Niemand fragte nach ihrem Output. Sie konnten nichts vergessen, weil sie sich nichts merken mussten. Sein Power Animal war das Bärtierchen. Das überlebte sogar in der Kälte des Alls. Sollte er auch hinbekommen. Wenn er einen Grund fände, wofür.
Als KI-Psych hatte er dafür zu sorgen, Stitchson, die KI der Station, nicht degenerierte. Ritter 22 und 54 gingen genau daran zugrunde. Irgendwann hatten deren Bordcomputer alles durchgespielt. Nichts ergab für sie noch Sinn. Rechnerisch. Also: Steuerung blockiert und Endstation Atmosphäre des Titan. Viel Geschrei, alles lautlos. Aber zwei schöne Explosionen.
Jocks Job war es, Stitchson kurze Stories zu erzählen. Die KI hörte ihm zu. Als einzige. Schraubte dann immer ihren Erregungspegel von „Armageddon“ auf „Blumenwiese“ runter. Die Station gewann so Tag um Tag. Überleben. War da mal was anderes? Ihm steckte da was in den Knochen, das ihn jeden Tag aufstehen ließ, aber außer ihm und ein paar anderen Knittergesichtern kaum mehr jemand verstand. In den Speicherbänken war darüber nichts zu finden. Gab keine Wörter dafür. Hatten sie weiterzugeben verpasst.
Das war Jocks letzter Fight und er wusste es. Geschichten für eine KI schreiben. Schmusiger Output, damit der Elektronenbauch den Wahnsinn übersah, bei Laune blieb und den Laden nicht als Feuerball am Arsch der Galaxis verglühen ließ.
Aber er tat es. Für seinen Grund.