Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Lagos (Nigeria), 21:02 Uhr

Der Regisseur bestellte fünfzehn Mann ins kleine Studio. Wir: Ehrlicher Schweiß, verheiratet mit kaltem Kaffee, Kippen und ewiger Warterei. Gerichtsshow, Nachmittagsprogramm. Billige Massenproduktion. Lächerlicher Mindestlohn. Der alte Sack am Fenster singsangt seit Stunden über Hamlet. Wir seien eigentlich die Verrückten, nicht der Prinz: „Was uns leitet, weisstu, ist nicht Wahrheit, verstehste, nicht Liebe, nein. Sondern: Wahnsinn! Stimmt’s?“

Die Produktionsassistenz bellt „Setprobe!“ durch den Wandlautsprecher. Sollen „Saaltumult“ veranstalten. „Zu dritt?“, frage ich. Hört sie nicht. Der Regisseur übertobt alles. Will ein Großer sein. Ist beschissener dran als wir. Wir können gehen. Er nicht. Am Ende macht’s wohl ein Computer zu „Spartacus“.

War der Alte auch schon dabei. Sklave 424. Hat sich zu „sterben“ geweigert. Kubrick feuerte ihn. Erzählt er jedem, der es nicht hören will. Die Zukunft fragt nicht höflich. Sie prügelt die Vergangenheit ins Heute. Realität zum Mindestlohn. Meine Fresse.

Text der Serie "Nur ein einziger Tag".

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