Salzburg (Österreich), 21:29 Uhr
Als sie nach einem viel zu langen Mittagsschlaf erwachte, saß die Krähe noch immer am Fußende ihres Bettes.
Im Traum belebte sie eine andere Welt. Sie ging durch Straßen ohne Staub und in prächtige Gebäude, die niemandem Angst machten, weil diese Welt selbst prächtig war. Allein ohne Einsamkeit genoss sie die Geselligkeit des Zufalls. Jedes Wort passte zum vorigen. Ohne Missverständnisse. Wie Musik.
Etwas jedoch hatte sie geweckt. Jeder trübe Atemzug zog mehr Realität an, jedesmal bitterer schmeckend. Erinnerungen tropften zurück: Ihr Versuch am offenen Fenster einzuschlafen. Der Gedanke daran, mit welcher Kälte sie – stets und für alles – bestraft wurde. Mit welcher Lust alle Welt Richter und Henker sein wollte. Die herrische Pflegerin. Schlafmittelgnade. Wie sie damals den Vögeln ihre Blicke mitgaben. Gemeinsam.
Vorm Einschlafen flatterte diese Krähe herein, saß da, blickte. Stille. Nichts weiter. Sie hielt es für Frieden.