Meuselwitz (Deutschland), 21:19 Uhr
Ich sehe das Gesicht des Heizers. Lippenbewegungen. Wörterhall im engen Badezimmer. Grimassen – es bleibt beim Versuch. Gescheiterter Probelauf der Masken für die kommende Nachteinsamkeit. Selbstbestätigung eines Zerknirschten.
Das Gesicht schaut immer nur fragend. Niemals erklingen Antwort oder Stimme, woher auch. Es ist glatt, kalt und kaum noch lebendig, beinahe genauso wie die Toten, im Arbeitszimmerfriedhof nebenan. Reihenweise verstauben sie dort, zischeln sich ihre Wahrheiten zu, tauchen alles in ihre Farben: Vergilbte Aktenseiten. Fernes Dichterblau. Schwarz gedrucktes Scheitern erinnert sich an rotes Fleisch, goldene Getränke und die namenlose Farbe der Ratlosigkeit als Loch in der Mitte. Als seien wir auf der Welt, um ihre Leinwand zu sein.
Rasierschaum, wo später Ruß und Resignation die Haut falten. Wasserdampf zwischen mir und dem Gesicht, das für die Nachtschicht eingeteilt wurde. Als das Licht ausgeht, bleibe ich allein zurück und spiegele nur noch Finsternis.