Johannesburg (Südafrika), 21:18 Uhr
Unser Alltag besteht aus Stein und Metall, kühl und scharfkantig. Wir leben in einer Welt aus Augen und alle glotzen ängstlich durch ihre Mauerritzen. Aber sie sehen uns nicht. Starren über uns hinweg. Wir hingegen warten, dass der letzte Rost ihre Tretmühlen zur Besinnung bringt. Ihr Frost die Steine zu Stränden macht. Jeden verdammten Tag.
Wir: zwei abgenagte, rund gelutschte Spielwürfel, von der Vergangenheit durch unzählige Runden „Monopoly“ gejagt. Du harzgolden, ich moosgrün. Kaum noch benutzt. Von irgendwem in dieselbe Spielekiste geramscht. Wie im Gemeinschaftsraum eines lebensstillen Altersheims.
Was keiner weiß: Wirft man uns gemeinsam, ergeben wir eine 13. Immer. Aber das wissen nur wir. Nennen es Liebe. Doch die Leute spielen nicht mehr. Wollen ja nur noch gewinnen. Ohne würfeln.
Vielleicht lässt sich diese Partie gar nicht besser spielen. Nur anders. Die 13 gewinnt. Immer.