Meißen (Deutschland), 21:55 Uhr
Sitze am Fluss. Es regnet. Enten verstecken sich im Schilf, damit sie nicht nass werden. Dämliche Viecher.
Am anderen Ufer rotzt ein Silvesterfeuerwerk laute Farben in die Nacht. Die Wellen schaffen es nicht, das Funkeln stromabwärts zu schwemmen.
Nur einmal war ich im Fluss. Ferienlager, damals. Lydia: Schwarze Haare, dunkle Haut, wie ein Popstar. Ich hatte Orang-Utan-Arme und Humor. Sie redete unaufhörlich. Ich war ein Schweiger. Sie begriff alles, bevor ich es dachte. Das perfekte Paar. Sahen uns nie wieder.
Gemeinsam sprangen wir immer von der Uferböschung in den Sommer. Sekundenfreiheit. Keiner schaffte es bis ins Wasser, immer schlugen wir kurz vorher im Ufersand auf. Manchmal verrutschte ihr Bikini. Es schien sie nicht zu stören.
Damals hat uns niemand gesehen. Heute sie keiner gehört. Zum Glück. Es dauert nicht lang und ihre blonden Haare versinken ins Allefarbendunkel des letzten Tages. Werfe ihre Tasche hinterher. Und einen Schuh. Keine Ahnung, ob das ihrer ist. Kenne ja noch nicht einmal ihren Namen. Sicher ist sicher.
Verstecken die sich im Schilf.
Idioten.