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Der Heizer

Er denkt bereits beim Aufwachen an den Qualm. Seine Augen sind noch geschlossen, aber er kann sie sehen: Graue Wolken. Abgeregnetes Salz in den Augen jener, die noch Tränen besitzen. Das einzige, was er von seiner Arbeit vorweisen kann. Das und die Asche, in die er alles verwandeln muss. Sein ständiger Begleiter ist der Duft von Verkohlung. Das Feuer presste ihn in jede seiner Poren. Wie ein Kalb trägt er dieses Erkennungszeichen. Das Feuer prägte es ihm ein. Markierte ihn. Als seinen Diener.

Er sieht die Menschen um sich herum. Spürt ihre Angst in seinem Herzen, diese letzte, nicht brennbare Brücke, über die ihn niemand mehr an sich heran lässt. Furcht. Vor ihm. Falsch, naturgemäß. Je älter sie werden, desto giftiger sind die Blitze, die sie nach ihm schleudern. Blicke. Flüche. Doch nicht ihn fürchten die Menschen, sondern die Flammen, denen er dient. Deren Gesang sie nie hörten. Deren Umarmungen sie nie hielten. Sie wissen nicht, warum in ihnen Unbehagen züngelt. Sein Feuer ist nicht grausam. Nur gerecht. Sie sind nicht dumm. Sie werden es erkennen. Irgendwann. Hofft er. Wie alle Heizer.

Er zündet sich eine Zigarette an. Sie verschwindet beinahe zwischen seinen Pranken. Von außen betrachtet sieht es so aus, als stiege der Qualm direkt aus seiner Hand. Als brenne nicht der Tabak, sondern seine Haut. Überhaupt sieht der Heizer alles, worauf sein Blick fällt, zu Asche werden. In der kleinen, dunklen Kellerwohnung hat er alle Spiegel abgehängt, weil er den Anblick seiner schmelzenden Augen und blasenschlagenden Haut nicht mehr ertrug. Asche zu Asche. Qualm zu Qual.

Er geht zur Arbeit, jeden Tag, das Feuer kennt keine freie Zeit, duldet keine Nachlässigkeit, die zur Kälte wird. Am toten Arm des Kanals vorbei, über die heißen Asphaltwege, sieht er überall nur übereinander gestapelte, in Leben verkleidete Asche. Apfelbäume. Bauernhäuser. Rehe. Die Ernte. Spielende Kinder, die ihn mit Steinen bewerfen. Außer dieser eine Schmetterling, jene weiße Ziellosigkeit ohne Woher und Wohin und Warum.

Er öffnet den Ofen und legt ein neues Scheit nach. Sein Name war Jochen. Die Glut empfängt ihn wie einen alten Freund. Der Heizer hört dem Gesang der Flammen noch eine Weile zu. Sie rufen noch immer nicht seinen Namen, versprechen ihm aber, zu einem Nichts zu werden. Wie der verbrannte Schmetterling. Ihn würden sie nicht zu Asche machen. (Ganz bestimmt.) Nur zu einem Bild erlösen, das jeder mit Frieden betrachtet. (Weil er es ist.) Kein Heizer sein. Nur Trost. (Für seine Treue.) Wenigstens bis morgen.

Er weiß, dass sie lügen.

Er will nichts anderes.

– Autor: Hulot ·