Daheim (DDR), 22:08 Uhr
Ausholen.
Klatschen.
Mein Hirn schepperte
in allen Farben.
Brennende Wange. Blut im Mund.
Geht vorbei.
Regelmäßige Dresche lässt dich
das als Erstes lernen.
Vielleicht hatte sich wieder die alte Frau
unter uns beschwert.
Ihre heilige Deckenlampe
schaukelte wohl –
„Während der Mittagszeit!“
Vielleicht war ich wieder meiner Mutter
nur zu sehr ihres Mannes Sohn.
Ich verschwand.
Stumm vor Schreien.
Stubenarrest im Kopf.
Manchmal auf den Dachboden.
Schatzsuche in fremden Verschlägen.
Staubhitze. Fotos.
Verwaiste Puppenhäuser.
Irgendwann fand ich einen Stahlhelm.
Verbotene Zeichen.
Ein Name auf dem Schweißband –
der des Mannes der Alten.
Haarlos, blass,
lebend tot.
Seinen vergilbten Bildern
vollkommen unähnlich.
Einmal hatte er mich da oben erwischt.
Stummer Blick.
Seltsam: Es gab nie eine Schelle
dafür.
Später erfuhr ich, dass ihn der Krebs
aufgefressen hat.
Seine Frau nahm sich daraufhin den Strick.
Hängte sich auf.
An der Lampe.
Stumme Kriege.
Die ganze Zeit.