Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Columbus und Cornflakes

Das Schweigen in der Küche quoll in jeden Winkel, bis alles nur noch aus Stille bestand. Unsere Blicke wurden sich schnell einig: Hier war eine Erklärung fällig. Aber Mutter versteckte sich vor unseren Blicken länger als gewöhnlich hinter ihrem Kaffee. Die Sache stank.

„Ab morgen habt ihr keinen Vater mehr“, hatte sie gerade zusammen mit einer bissigen Qualmwolke über den Frühstückstisch geblasen. Teddy und ich hofften, dass der jeweils andere wenigstens zur Hälfte begriffen hatte, was hier gerade passiert war. Fehlanzeige. Jetzt breitete sich dieser Satz wie eine Pfütze saurer Milch auf der Tischdecke aus. Zwischen ihr und uns lagen plötzlich nicht nur kalter Speck, verbrannter Toast und danebengegangene Asche, sondern ein ganzer Kontinent voller Fragen. Kein Columbus in Sicht, der für uns die Überfahrt wagte und mit Antworten zurückkehrte.

„Ich habe den Honig vergessen – will jemand was? Will jemand Honig? Soll ich Honig holen?“, kämpfte ihre Stimme gegen das Schweigen und unsere fragenden Blicke an. Teddy kam als Erster wieder zu sich. „Was?“, fragte er. Ich hätte es auch nicht besser gekonnt. Sie stand auf, knallte die leere Tasse auf den Tisch. Ich erschrak.

Als sie mit dem Honig in der Hand und einer frischen Zigarette im Mund zurückkam, stemmte sie ihre Fäuste auf den Tisch und beugte sich zu uns herunter. Unter der Lampe sah sie aus wie ein Detective, der einen Verdächtigen verhört. „Was hast du nicht verstanden?“

Teddy schluckte, dass man es bis ins Nachbarhaus hörte. Ich bekam keinen Ton raus, aber er riss sich zusammen: „Was ist ein Vater?“