Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Frohes Fest

„Vorsicht Kischka! Hab keine Zeit zum Nachdenken, nicht dass die mich erwischen. Auf jeden Fall: Das hier ist echt! Keine Ahnung, wie ich das beweisen soll. Du musst mir einfach glauben: Unsere Frau bescheißt Dich. Also uns. Klingt total verrückt, weiß ich. Also: Die stellen Dir/uns eine Falle und machen Dich/uns fertig. Das Ganze wird an Weihnachten steigen, und zwar im Jahr…“

Ein Umschlag ohne Marke, vergilbt und mürbe. Muss lange schon zwischen den Seiten geklemmt haben. Als er aus dem Buch in Kischkas Hand rutschte, fiel seine Welt in sich zusammen. Ihm war hundeelend. Damals versprachen sie, dass es ihm nie wieder so schlecht gehen würde. Er müsse bloß vom Fensterbrett steigen und einen Entzug machen. Das sei er dem Land schuldig. Meinten alle. Das hatte ihn bis hierher gebracht und stand in seinem Album als wichtigste Erinnerung auf dem Deckblatt. Nur fand er hierin nicht das Bild von sich als Briefschreiber. Doch das war seine Schrift. Hektische Krakelei, aber eindeutig von seiner Hand.

Er drehte die Seite um. Nichts. Zitternd hoffte er auf eine Fortsetzung, Jahreszahl, Erklärung. Einzig Flecken und Staub. „Nie wieder so schlecht“ – Große Worte dafür, dass er gerade in kaltem Schweiß ertrank.

Die Türklingel gewann knapp gegen das Inferno in seinem Kopf. Kischka schlich zur Gegensprechanlage und drückte den Knopf. Ihre Stimme klang wie immer. Doch das Hämmern des Briefes übertönte alle Gedanken. Ein gebrochenes Versprechen. Alles Maskerade. Alles falsch.

„Kannst du bitte runterkommen und mir helfen? Der Fahrstuhl ist kaputt und ich kann den Christbaum nicht alleine hochtragen.“

Er ging seiner Frau entgegen. Der Zimmermannshammer unter seiner Jacke gab ihm Halt. Ein alter Freund. Er mochte das Gewicht. Hielt ihn auf dem Boden, weit weg vom Fenster. Später erzählte er das auch so dem Polizisten.

– Was haben sie sich dabei gedacht, Herr Minister?

– Nichts. Ich habe mich nur erinnert.