Ammassalik (Grönland), 21:31 Uhr
Nicht nur auf dem Foto. Auch hier, jetzt, im Staub der Dachbalken. Ohne danach zu suchen hatte er den nächstnahen Moment vorm Abgrund gefunden. Der letzte Schnappschuss an der goldenen Weggabelung: Links leben. Rechts Sachzwang.
Wie viele Jahre irrte danach durch das Labyrinth? Vierzig? Länger? An wie vielen Skeletten ging er bereits vorbei. Gescheiterte, Verbrannte, Zyniker allesamt? Wie viele Geister verfolgten ihn in der Dunkelheit, alle hoffend, dass er ihre Linderung sei?
Er wusste es nicht. Seine Seele war eine Sammlung schwärender Narben. Immer wieder hingehalten, damit andere sich daran wärmen konnten. Braves Hündchen. Gut gelernt. Nein: Gelesen. Seine Bücher schwärmten von diesen selbstlosen Helden. Das wollte er ja auch: Helfen. Immer. Nur überlas er dabei die bitteren Enden.
Ein Aufleuchten, Millimeter hinter seiner Stirn: „Nicht bedingungslos“. Schnarrendes Neonlampengelb.
Nicht er war das Problem. Machte den Schmerz erträglich.