Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Vielleicht im Oktober

ein mann erinnert sich zufällig genau in der minute an den tod seines vaters, an dem dieser zwei jahre zuvor gestorben ist. das macht ihn traurig. vielleicht hat er sich geschämt, dass er nicht genau wusste, ob es gestern, heute oder morgen war. vielleicht dachte er, es sei eine leistung, sich an "Anfang Oktober" zu erinnern.

eine stimme sagt: "Es heißt nicht, dass du ihn vergessen hast. Es heißt, dass du lebst." nett von der stimme. aber schäbig. von ihm. dem mann. die stimme will ihn trösten: "Das, was du gerade empfindest, ist genau der Beweis, dass dir etwas an ihm lag."

er hat aber seinen vater vielleicht gar nicht geliebt. vielleicht wollte er das. vielleicht hat er es probiert, doch nie ein echo erhalten. vielleicht dachte er, dass er das gar nicht kann, dieses lieben. vielleicht ist er taub für das echo gewesen. vielleicht waren sie sich näher als gedacht. der mann erschrickt.

"Das ist ein Moment, in dem man allein mit der eigenen Einsicht steht. Und allein stehen tut weh.", will die stimme alles wieder gut machen. runder trost. eckiges loch in der seele. kann nicht gut gehen.

es ist ihm egal, ob das vielen anderen genau so geht. er dachte in den letzten monaten seines vaters leben, alles im griff zu haben. zu verstehen, dass er einfach nur ein schwacher mann ist. bis der mann verstand, dass sein vater nie stark gemacht wurde.

doch da war es zu spät.
für beide.
für mich.

über uns allen nur graue wolken.
kein donner.
kein echo.
nur leere.

aber es ist nicht immer oktober.
sagt die stimme.
wie ein echo.

meinetwegen.