Viñales (Kuba), 20:57 Uhr
…dann zeigt uns Jorge die Grabstellen: Für Familien, versehen mit Vitrinen, denen die Zeit alle Scheiben ausgeschlagen hat. Modrige Reste alter Zeitungen verkeilen die Bilderrahmen in den schimmligen Nischen. Gruften für Schnappschüsse, Plastik, brüchig, billig. Ein älterer Herr schaut uns von den letzten überlebenden Fotos an. Weißer Hut, Zigarre, kein Lächeln. Daneben zwei Frauen, deutlich jünger als er. Hoffnungslos überkontrastierte Bilder, ungelenk ausgeschnitten, verknittert neben den Großvater geklebt.
Im anderen Rahmen: anscheinend Großmutter und Tochter. Der Fotograf drapierte beide vor einer Wand aus gerafftem Stoff. Zu nah. Es sah aus, als liegen sie schon jetzt in ihrem purpur ausgeschlagenen Sarg. Vor jeder der Erinnerungen steht ein kleines Schälchen, gerade groß genug für drei Rosenblüten. Zu brackigem Wasser gestorbener Regen schillert im Mondlicht.
Als wir heimkehren, rennen zwei Hunde über die Straße. Einer bellt. Der riesige LKW verpasst beide nur knapp.