Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Und nach dem Essen sitzen wir auf der Bierbank und erzählen uns eins. Von dem, was wir erlebt haben und was wir erleben wollen. Dreiunddreißig Tage auf Skiern hat er gezählt, der Rentner mit dem knitzen Lachen und dem weißen Oberlippenbart. Das liegt nicht an der Rente, frohlockt er, denn das hat er als Selbständiger immer schon geschafft. Erst der Wetterbericht, dann die Arbeit. Und dazwischen für eine Langlaufrunde auf die Alb. Ich hoffe, sage ich, daß ich mit der Arbeit von zu Hause aus auch über Mittag solche Runden schaffen werde. Daß genug Schnee fällt, und genug Zeit bleibt, ihn unter den Skiern knirschen zu hören. Und nächstes Jahr möchte ich den Wanderweg über die Schwäbische Alb abfahren, sage ich noch, denn das möchte ich schon einige Jahre im nächsten Jahr tun. Und ganz offen bewundere ich ihn darum, daß er auch diese große Runde schon geradelt ist, mit einigen Freunden zusammen, und daß er von ihren gemeinsamen Abenden in den Gasthäusern entlang der Route erzählt. So erleben wir selbst auf der gleichen Strecke etwas anderes, jeder für sich und jedes Mal neu.

# Eine Runde spazieren gewesen nach der Arbeit. Tatsächlich spazieren. Keine Laufschuhe, kein Rad. Ich scharre im kürzlich gesäten Weizen, ob er denn schon keimen mag. Ich laufe an Kindern vorbei, die Drachen steigen lassen. Ich rieche die letzte Gülle, sehe die Spuren der Schleppschläuche und einen allerletzten blühenden Löwenzahn. Ich laufe nur, um mich auszulüften, ich habe keinen sportlichen Hintergedanken, und zu schaffen habe ich hier draußen auch nichts. Ich werde mich auch daran gewöhnen müssen mit dem Älterwerden.

# Winterweizen ausgesät. Ich bin spät dran, der Boden ist feucht und schwer. Einen der Äcker kenne ich seit meiner Kindheit, und vielleicht ist das Bestellen dieses Ackers das Beständigste an mir und auch das, was mir noch einige Jahre bleiben mag. Es ist ein sehr tröstlicher Gedanke.

Texas-Jim am 2. November 2022 – 15:47 Uhr
» Kommentar per Mail an Texas-Jim senden «