Mümmelmann
Boden ist Boden, egal ob hier oder anderswo. Und da lag er nun in seiner kleinen Nische, gleich rechts neben der Realität. Kopf auf Einkaufsbeutel. Drei geöffnete Kartons Mümmelmann daneben: acht Flaschen leer und auf dem Kopf stehend, vier der Dinge harrend, die da schlucken werden. Ein kleiner Zaun. Ordnung muss sein.
Gesunde Bräune. Keine vierzig Jahre alt, abzüglich Suff: fünfzig. Birkenstock, fleckige Hose. Schmutzige Fingernägel klammern sich an ein zerschabtes Duschradio wie an den letzten Menschen, der noch mit ihm redet. Alles endet hier über ultrakurz oder lang in den besten Hits der Wasweißichziger.
Die Kastanie spendet Schatten. Rennrad-Hipster zischen vorbei. Tauben kämpfen im Baum um den besten Platz unter der Krone, ihr Flattern applaudiert dem Sieger. Im Küchenstudio gibt es die Mehrwertsteuer geschenkt. Eine Kolonie Enten macht es sich auf der Wiese zwischen den Glascontainern und dem Plattenbau-Riegel bequem.
Atembewegungen, kaum wahrnehmbar, doch vorhanden. Trotzig, effizient, stinkend. Spreche ihn an, brülle fast. Keine Reaktion. Das Radio fällt herunter. Die Realität will sich durch den Lautsprecher heran kratzen. Da bewegt er sich.
Mit der Abgebrühtheit eines Bombenentschärfers tastet er nach dem Senderknopf. Braune Finger tätscheln zärtlich den runden Griff, schwarze Nägel fingern sich durch die Frequenzen. Irgendwo gibt es das dritte gratis obendrauf, wenn man noch zwei andere kauft. Aber nur für kurze Zeit!
Atmung weiterhin gleichmäßig. Neben der Dose Schultenbräu eine Handvoll Kleingeld. Zu präzise aufgehäuft, um Spende zu sein, zu wild durcheinander, um etwas zu bedeuten. Jimmy Hendrix ist an seiner eigenen Kotze erstickt. Allein. Stalin lag tagelang gelähmt in seiner Pisse. Die Geier umkreisten ihn, aber keiner hatte den Mumm, es zu Ende zu bringen.
Manchmal geht’s den Menschen wie den Leuten. Ich gehe zurück in die Vernunft und kaufe Katzenstreu. Im Angebot.