Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Keine Erklärung

Die knallenden Türen sangen das Gute-Nacht-Lied vom Einschluss. Das Gemurmel in den Zellen verwelkte, bis nur noch halbtote Stille blieb. Die letzten Fetzen Helligkeit retteten sich durchs Fenster. Im Gegensatz zu den täglich angeschwemmten Besuchern war das Licht nicht angekettet an diesen Sarg aus Gittern und Backstein, in dem sich echte Menschen durch den Kalender faulten, umschwirrt von Hoffnung wie störende Obstfliegen. Aber es würde wie sie morgen wiederkommen.

„…so bitte ich euch zu verstehen, dass das keine Entscheidung gegen euch ist. Nur keine für euch. Alles Gute. Ich hoffe, Ihr versteht das. Seid mir nicht allzu böse.“

Fünf Seiten. Wieder zu viel. Jedes Wort ein Stück Fleisch aus seinem Körper und bald war nichts mehr übrig. Aber Pip plapperte jedes Mal drauf los, wenn er unter Stress stand und das hier war Druck der Sorte „20000 Meilen unter dem Meer“. Egal, ob er sprach oder schrieb, am Ende war er völlig leer.

Pip bewunderte jene Leute, die mit ihren Anliegen bei ihm aufschlugen, zwei Sätze auf den Schreibtisch knallten, sich umdrehten und ihn zusammen mit dem dampfenden Haufen ihrer Forderung zurückließen. Ihm saß die Furcht im Nacken, dass jeder im Raum alles falsch verstünde, falls er seine Sachen nicht wenigstens vom Urknall her aufdröselte. Erst wenn es die dümmste Fliege im Zimmer verstanden hatte, fand er, dass genug gesagt war.

Diesem kurzen Moment des Durchatmens folgte zuverlässig ein würgender Ekel. Vor sich selbst. Er war sicher keiner dieser selbstverliebten Schwätzer. Ihm fehlten einfach nur die Antennen, um das Ende zu erkennen, wenn es da war oder sich anbot.

Er war überrascht, wie leicht ihm alles fiel. Ein Knoten. Ein Seil. Als am nächsten Morgen die Sonne aufging und den Eingesperrten damit das Signal für eine weitere Kerbe im Bettpfosten gab, war Pip nicht mehr da. Keiner wusste, wie er es angestellt hatte. Aber er war nun in Freiheit, um die echte Strafe anzutreten.