Es ist nur zu Ihrem Besten!
Erstaunlich, wie schnell die Türen zersplittern, hinter denen wir uns sicher fühlen. Drei Schläge, so dumpf, dass wir sie in allen Ecken spürten. Der Rahmen krachte mit einer Wolke aus Staub und Splittern ins Zimmer. Bissiges Licht. Schritte. Kommandobellen, unverständlich. Uniformen stürzten in unsere Bude.
Ich versuchte halbblind durch die geplatzte Fensterscheibe zu hechten. Das Muster, das die Geschosse der Securities in sie gestanzt hatten, reichte aber nicht, um sie brechen zu lassen. 62. Etage. Vielleicht besser so? Amarillo stand mitten im Raum, bis in die Haarspitzen mit Slinky vollgepumpt und rieb sich den Blitz aus den Augen, als ob ihn das alles nichts angeht. Bullige Schultern falteten ihn auf Hüfthöhe wie einen Zollstock zusammen. Mich rissen sie hoch, als wäre ich ein ungezogenes Haustier. Gesicht nach unten drapierten sie uns als neuen Teppich ins Zimmer. Elektroschocks sorgten dafür, dass das so blieb.
„Cascade und Citra: Sie beide sind vom Amt für Innere Sicherheit als Attentäter markiert worden. Vorwurf: Eine Verunglimpfung der…“, sprach eine Stimme, die so still in den Raum gekommen war, dass ich sie erst bemerkte, als sie über mir stand.
Ich unterbrach sie: „Mome… Nich…“ Der Stromstoß hatte dafür gesorgt, dass ich mir auf die Zunge gebissen hatte. Der Klumpen Fleisch in meinem Mund wollte etwas klarstellen. Heraus kam nur Schaum und Blut: „Fasche Leue. Fasch!“
Ich nestelte an meinem Hosenbein nach meiner ID. Gute Idee. Dachte ich. Falscher Zeitpunkt. Meinte das Knie, das auf meinen Rücken landete und mich noch fester auf den Boden nagelte. Greifer verhandeln nicht. Sie tun weh. Und das gern.
Jemand riss unsere Köpfe nach oben. Ein seltsames Knacken. Neben mir. Klang sehr falsch. Der Leader sah mich gar nicht an: „Ich brauche Ihren Namen nicht.“ Stimmt, dafür haben sie Retina-Ableser. Mit so einem Ding fuhrwerkte er vor Amarillos Gesicht herum. Der Laser tastete seine roten Augen ab. Keine Reaktion. Gleichgültig hielt er mir das Gerät hin. Ich schaute in die runde Öffnung, wie ich es schon hunderte Male zuvor getan hatte. Ein Piepen.
Der Leader pfiff jenen Greifer heran, der das Kommando hatte und flüsterte ihm etwas zu. Schulterzucken. Erblassen. Wir waren heute also nicht die einzigen, die einen Scheißtag hatten. Sie hockten auf uns drauf. Den Falschen. Damit war der Tanz aber nicht vorbei. Fehler passieren anderen. Aber keinem Leader.
„Amarillo: Sie können sich vom Acker machen. Kischka: Sie haben noch was offen. Ihnen ist klar, was das bedeutet?“
Stumpf matschte Amarillos Kopf auf den Boden, man hatte ihn einfach losgelassen. Keine Reaktion mehr. Nur leere Augen. Ihn hatten sie also geschafft. Jemand schleifte ihn aus dem Raum. King Slinky der Verseuchte, auf seiner letzten Reise. Würde ein mieses Ersatzteillager abgeben. Das war sein letzter Triumph.
„Ich bin raus dort, geheilt, verstehen Sie! Ich muss da nicht wieder hin! Ich habe das sogar schriftlich, müsste der Scan eigentlich verraten haben!“, versuchte ich so wenig wie möglich wie ein Bettler zu klingen, während ich genau das tat, als gäbe es kein Morgen mehr. Wenigstens funktionierte meine Zunge wieder.
„Ich weiß das, Kischka. Aber Sie verstehen doch sicher auch, dass ich nicht mit leeren Händen bei meinem Boss aufkreuzen kann.“
Ich verstand. Sein Blick bot mir an, beste Freunde zu werden. Wie damals das Personal, das sich um uns kümmerte. Unwiderstehlich wie ein Strick um den Hals. Freiwillig legte ich meinen Daumen auf den Scanner. Würde die Maschine zumindest später antworten. Wenn ich nochmal nachfragen sollte. Aber wer will das schon. Der Neural-Dämpfer zwickte mich in den Nacken. Die Nanobots erledigten den Rest. Der Schmerz im Rücken zeichnete mich nun als offizielle Reserve der Regierung aus. Mit nur noch einer Niere unterwegs und immer unter Kontrolle. Besser als nichts. Mehr Sicherheit als eine dünne Tür.