Eine Wohnung (Damals), 21:42 Uhr
Es klang wie eine Kuh. Aber im Wohnzimmer? Georgie starrte in die Finsternis. Auch keine Antwort. Eva atmete gleichmäßig. Unzerstörbarer Tiefschlaf. Er war ihr großer Bruder, Kundschafter, Sherlock. Das hier war seine Aufgabe.
Nackte Füße schlichen über splitterige Dielen. Er wusste genau, an welchen Stellen sie ihn durch ihr Knarren verrieten. Stilles Schweben. Das Schlüsselloch der Stube stach einen messerscharfen Lichtstrahl in den schwarzdunklen Flur. Wieder das stöhnende Kuhgeräusch. Dazu ein regelmäßiges Quietschen. Eine Spielplatzwippe?
Durch das Schlüsselloch sah er seine Mutter. Dann ihren Kollegen, der sie heute heim gebracht hatte. Beide nackt und plötzlich fremd. Fragend öffnete er die Tür. Der Mann kam auf Georgie zu, knallte ihm eine, verdrehte seinen Arm, lachte ihn aus, während seine Mutter ihn ins Bett zurückbrüllte.
Zum ersten Mal weinte ich nicht. Hatte es ja verdient. Ab sofort glaubte ich den Erwachsenen. Eva schnarchte.