Blankenburg (Deutschland), 21:16 Uhr
Im Herzen des Ortes gibt es einen Uhrenladen, in dessen Schaufenster eine grobe Gardine hängt. So einen hast du zuletzt beim Wandertag im Kinderferienlager gesehen, in den Achtzigern, als Digitaluhren aus Ruhla der letzte Schrei waren. Zumindest für jene ohne Westverwandtschaft. Die gelbe hätte es sein dürfen. Sah ein bisschen nach mehr aus. Aussichtslos. Musstest Vaters alte Russenwecker umschnallen.
Vielleicht repariert der Mann hinter der Gardine aber auch gar keine Uhren, sondern die Zeit? Ist deshalb sein dämmriger Laden immer voll graugebückter Menschen? Wer könnte das nicht gut gebrauchen: Einen Fritzen für verlorene Gelegenheiten, beschissene Entscheidungen, missratene Worte, kassierte Prügel, versäumte Küsse, schief Gegangenes und verranztes Gutes, das sich heute noch wie im Museum auf seiner Einmaligkeit ausruht. Dinge, die erst im Alter schimmern. „Uhr ist Uhr, egal was auf dem Zifferblatt steht“, sagt er immer. Sowas gibt's nur hier.