Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Und wie ich des Nachts nach Hause komme, mit dieser seltsam wachen Trübung aus einem Bier und einer Radelei durch die nächtliche Kälte, da stehen zwei Bilderrahmen im Flur, bereit zum Transport. Es duftet noch aus der Küche, und von dort dringt auch noch eine letzte Wärme durch die kalte Wohnung. Ich tappe barfuß über die weißen Fliesen, halte Abstand von den angelehnten Rahmen, und ich sitze dann noch ein Weilchen am Esstisch und starre in die Nacht hinaus. Eine Kerze hat vor Kurzem noch gebrannt, und vermutlich verglimmt unter dem Deckenknäuel auf dem Sofa noch ein Restchen Wärme. Ich hole das kalte Herzchen aus dem Loch, in das es mir gerutscht ist, weil diese beiden Bilder im Flur einen Aufbruch, einen Auszug, ein Ende darstellen, alles geplant und herbeigeredet, und mir jetzt doch allzu plötzlich entgegenschießend. Ich werde diesen Ausblick auf die Alb vermissen. Ich werde dieses kleine Stückchen Heimat vermissen, das nur unseres war. Es gilt, viel abzureißen und wieder aufzubauen, es gilt, den Sprung zu wagen und dabei alles loszulassen und doch nichts dabei zu verlieren. Und ich denke mir, daß wir es schaffen können, und wenn nicht wir beide, dann mit niemandem. Und ich bewege die froststarren Glieder und lege mich still und leise neben einen leisen Atem, neben ein riesengroßes Herz, neben eine Hand, die in der Kälte der Nacht nach mir sucht, um mich zu spüren und zu wärmen. Wir werden, denke ich zuletzt, das Kind schon schaukeln, und ich kann ein Lächeln durch das Dunkel spüren, als ich einschlafe.

Texas-Jim am 17. November 2022 – 21:03 Uhr
» Kommentar per Mail an Texas-Jim senden «