Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Im Harz: Wir spazieren durch den traditionell ortstypischen Verfall aus ehemaliger Kleinstaaterei, ewig währendem Kleinbürgertum, eigenbrötlerischer Kleinstädtischkeit, vorbei am Uhrenladen, der eine grobe Gardine im Schaufenster hängen hat, so wie Du es zuletzt irgendwann beim Wandertag im Kinderferienlager in den Achtzigern gesehen hast, als Digitaluhren aus Ruhla ("Ruh-la, Ruh-la, wasserdicht | Rein geht's Wasser, raus kommt's nicht!") der letzte Schrei für jene ohne Westverwandtschaft (also Dich) waren, und Du hofftest, eine geschenkt zu bekommen, vielleicht die gelbe, die ein bisschen nach mehr als die anderen Modelle aussah, was aber nicht passierte, weil Du die olle Sowjet-Zwiebel deines Vaters auftragen musstest, für die du wenigstens 50 Kilo zu leicht und 200 Jahre zu jung warst, was aber niemanden interessierte, so wie niemals jemanden etwas interessiert, was sich außerhalb seines Blickes abrackert, um Sichtbarkeit bettelnd.

Vielleicht repariert der alte Mann hinter der Gardine, hinter dem Tresen, hinter der Macht ja aber auch gar keine Uhren, sondern die Zeit? Was natürlich erklären würde, weshalb sein dämmriger Laden immer voll alter Menschen gepackt ist, denn, sind wir doch mal ehrlich, wer könnte das nicht gut gebrauchen: Einen Fritzen für verlorene Gelegenheiten, falsche Entscheidungen, ungesagte undoder gesagte Worte, kassierte Prügel, versäumte Küsse, schief Gegangenes und Gutes, das sich hinter seiner Einmaligkeit einen fetten Lenz macht. Und ab und zu ein neues Armband. Sowas gibt's nur hier.