Mikrobi

Klagefall & Texas-Jim & Hulot

Ich habe einen Spleen, der mich dazu treibt, Daten zu archivieren. So beispielsweise alle paar Minuten Temperatur und relative Luftfeuchte in meinem Büro. Oder alle paar Minuten die aktuelle Leistung meines kleinen Solarmoduls auf dem Balkon, sowie die zugehörige Invertertemperatur und vieles mehr. Üblicherweise kaufe ich dazu erst einmal eine Menge an Elektronik, die ich dann anschließe und mit Skripten auslese. Die Daten lege ich einfach in Textdateien ab, die wiederum per Skript jede Nacht mit dem Tagesdatum benannt und so archiviert werden. Nachdem die neueste Errungenschaft eine Wetterstation ist, die neben Außentemperatur und Luftfeuchte auch Windstärke und Regenmenge versendet, lag es an mir, diese Daten auch aufzuzeichnen. Nun ja, andere schauen Fußball. Dazu verwendet habe ich einen USB-Stick, mit dem man terrestrisches digitales Fernsehen anschauen kann. Zum Beispiel Fußball. Es gibt jedoch findige Entwickler, die diesem Gerät die Fähigkeit gaben, auch solche Funksender wie meinen auszulesen und diese Signale zu decodieren. Ich verbrachte diese Woche also einige sehr schöne Abende am Bildschirm und freute mich an allen Werten, die so durch die Gegend gesendet werden. Dazu gehören übrigens auch Funksteckdosen, falls Sie an Schabernack denken. Die übliche Vorgehensweise, um diese Daten aufzuzeichnen, scheint die Weiterleitung an einen MQTT-Broker zu sein, und dann ab damit ins Internet. Nun möchte ich weder das eine noch das andere, konnte mich jedoch mit MQTT anfreunden. Die dauerhafte Dekodierung der Funksignale überfordert jedoch meinen kleinen Rechner, der mit seinen vielen Käbelchen und Anbaugeräten mittlerweile doch ein wenig furchteinflößend ausschaut da unterm Tisch. Er blieb also mit übervollem Speicher stehen und ließ seine anderen Datenaufgaben liegen. Wie schade, so fehlt mir also der gestrige Sonnentag in meinen Aufzeichnungen. Dafür war ich selbst den ganzen Tag draußen, und auch das zählt ja irgendwie. Wenn ich nur wüßte, wie ich das zählen könnte, ich würde auch dafür Dateien erzeugen. So wie hier. Wie gesagt, andere schauen Fußball. Es ist mir nach zähem Ringen nun also gelungen, per "cron" regelmäßig ein Skript zu starten, das den Decoder startet und die Daten ausliest. Nun beliebt meine Wetterstation zwar, recht viele Daten in engen Intervallen zu senden, jedoch nicht immer die gleichen. Ich habe daher ein Weilchen nach einer Logik gesucht, dieses Skript sich mehrmals wiederholen zu lassen, bis alle Werte gesammelt sind. Dann wird eine neue Zeile in die Datei geschrieben, und der kleine Rechner kann sich wieder anderen Aufgaben zuwenden. Sogar die USB-Schnittstelle wird wieder abgeschaltet, aber das läuft noch etwas ruppig. Ich freue mich nun auf Kurven für Wind und Wetter, frisch von meinem Balkon. Andere schauen in der Zeit Fußball, aber das erwähnte ich bereits, fürchte ich.

Texas-Jim am 30. Oktober 2022 – 18:23 Uhr
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