Der jährliche Rentenbrief flattert rein, begleitet von der Aussicht auf Inflation, die mich umarmt wie eine träge Melodie. Wäre die Geldentwertung nicht, hätte ich wohl eine bequeme Nische im Übermorgen gefunden. Keine großen Kapriolen, logisch.
Doch was ich neuerdings an mir selber erkenne, beruhigt mich andererseits wieder: Es bedarf nicht mehr viel. Ein Schuss Milch ins morgendliche Müsli bedeutet zuverlässig den Weg zurück ins Bett. Abends ein Glas Wein, das aus mir einen komatösen Schnarcher macht. Trinke ich zu spät einen Fingerhut Wasser, laufe ich durch die Nacht, immer auf der Suche nach einem Lokus, als hätte ich einen Tank alkoholfreies Bier inhaliert.
Selbst die Katze kotzt morgens die Hälfte ihres Futtern auf den fleckigen Teppich im Flur. Da lassen sich über neun Leben gerechnet sicher noch ein paar Mäuse sparen. Der Teppich hat mittlerweile eine Menge Flecken, manche von ihnen sehen wirklich vielversprechend aus. Besonders der eine, neben der Stehlampe. Noch zwei, drei schief gegangene Portionen zum Frühstück und er sicht aus wie Elvis. Oder Jesus. Heini von nebenan hat letzte Woche ein Spiegelei auf dem Flohmarkt im Park verkauft, das genau so groß war wie eine Vinylplatte. Diese Inflation lässt jeden Unsinn zur Wertanlage werden. Zumindest für jene, die noch was zu verlieren haben. Denke ich so bei mir und stelle der Katze noch eine Schüssel zermatschtes Hähnchen in den Flur.
Und im Osten schießen sie aufeinander. Es sind die kleinen Rituale, die den Rentenbrief erträglich machen.