Der Friedensnobelpreis 2022 ist leider Ausdruck des westlichen Unvermögens, das eigene bequeme Weltbild infrage zu stellen und sich mit der Realität von Krieg und Frieden ernsthaft auseinanderzusetzen. Sicher, alle Preisträger sind ehrenwert und mutig, aber auch dem Norwegischen Nobelkomitee dürfte nicht entgangen sein, dass Russland in diesem Jahr gegen jedes Völkerrecht die Ukraine überfallen hat, um seine imperialen Ziele mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Wie kommt man bitte auf die Idee, den Preis gleichberechtigt nach Russland, Belarus und die Ukraine zu vergeben? Der Preis liegt in derselben Logik wie die deutsche Friedensbewegung: Bei jedem Konzert für die Ukraine müssen auch russische Musiker dabei sein und russische Musik spielen, auf jedem Podium über den Krieg müssen auch Russen sitzen und gehört werden, die russische Zivilgesellschaft darf nicht vergessen werden, der Dialog darf nicht abreißen, die Gesprächskanäle müssen offengehalten werden, blablabla, you name it. Als ob es um Ausgewogenheit und Kompromiss ginge. Alle sollen einfach miteinander sprechen und sich wieder vertragen, sollen verhandeln, sich in der Mitte treffen, was eine Konsensgesellschaft wie Deutschland eben so mag. Aber so funktionieren Russland und dieser Krieg nicht und so wird er auch nicht aufhören. Im Moment gibt es genau eine Organisation, die in der Ukraine Frieden bringt und dafür sorgt, dass das Morden und die Vernichtung in den besetzten Gebieten enden: die Streitkräfte der Ukraine. Wenn jemand in diesem Jahr den Friedensnobelpreis verdient hat, dann sie.