Bobjack und Hammond
Irgendwann haben sie nicht mehr angerufen. Nichtmal Larry vom Mocambo .
Bobjack war draußen. Kaltgestellt. Einfach so. Die Varietétheater nannten sich nun Club und wollten bloß noch diese muffigen Gitarreros auftreten lassen. Alle sollten sie die nächsten Beatles oder Stones sein, ganz gleich was sie von sich gaben. Selbst zusammengestümperte Krawallakkorde. Lange Haare, Pose statt Haltung, laut, billig.
Bobjack hingegen hatte die Großen drauf, egal ob auf der Hammond-Orgel oder dem Theremin. Liberace, Elvis, Kaempfert, sogar ein selbst gestaltetes Bacharach-Beethoven-Medley. Wollte niemand mehr hören, angeblich. Stattdessen sollte nur noch das Universum transzendiert werden. Darunter lief nichts mehr. Dagegen kam einer wie Bobjack nicht an. Und transzendiert – ist das überhaupt ein richtiges Wort? Ruhig bleiben.
Als Bobjack seine Arme und Hände entspannte, seufzte die letzte Luft aus Rodneys Brustkorb. Ganz leise und mitten hinein in dieses seltsame Universum. Vorsichtig legte er den schlaffen Körper des Sängers zwischen die unzähligen Instrumentenkoffer, Flaschenkisten und Kulissenteile. Dann ging er nach Hause, machte sich einen Tee, bügelte seinen Auftrittsanzug und stellte das Telefon neben die Hammond. Er wollte unbedingt vermeiden, dass er den Anruf des Managers verpasst, während er Rodneys Haare und Schweiß vom Kabel seiner Orgel putzte. Man muss schließlich vorbereitet sein. Gerüchtehalber würde dem Mocambo bei der Hauptattraktion der Sänger ausfallen.
Wahrscheinlich Halsschmerzen. Wer weiß schon, was in so einem Universum alles passiert. Geht ja schnell bei den jungen Leuten von heute.
Schon eine komische Sache dieses Universum. Und nein, das kann unmöglich ein echtes Wort sein: Transzendiert.
„Klar Larry, für dich habe ich immer Zeit. Kein Problem. Auf mich kann man sich verlassen. Acht Uhr ist in Ordnung. Bis dann!“